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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

Hungertrip mit Seelenkick

von Friedrich Schorlemmer vom 11.03.2011
Fasten ergibt nur da einen Sinn, wo es Solidarität bewirkt

Das närrische Treiben muss endlich ein Ende haben – und zwar ganz radikal. Ist es nicht ein lang erwarteter Ruck, wenn auf die Fastnacht der Aschermittwoch, auf den Rausch die Ausnüchterung folgt? Nach der regellosen Ausgelassenheit kommt die strenge Fastenregel, ob mit Voll- oder nur mit Alkoholfasten, ob mit Saft- und Süßfasten oder einfach mit Reduktionsdiät zum längst fälligen Abspecken.

Nachdem der Konsumrausch den Zenit seiner Fadheit überschritten hat und das ständige Satt- und Vollsein einfach lästig wird, meldet sich in unseren Tagen ein »Fastenrausch« geradezu als neue Sucht. Einen besonderen Kick soll es dabei geben: Glücksgefühle nach drei Tagen Quälerei. Was in Mode kommt, das muss man schließlich mitmachen, und das gilt auch für die neue Fastenwelle. Inzwischen finden sich 412 000 Einträge bei Google unter dem Stichwort »Fasten«. 120 000 mehr als im Vorjahr. Die Katholische Kirche ist per SMS dabei: Prominente wie Norbert Blüm senden Fastenden »fast-food-news«.

Die Hungerkur hat Kult-Status

In Zeiten der notorischen Übergewichtigkeit – wo doch Schlankheit Kult-Charakter hat – bekommt die Hungerkur einen Kult-Status. Während die einen sich beim Bodybuilding kasteien, probieren es andere mit Abhungern, diesem Doping der Konsumgesellschaft – samt der Illusion, dass die Seele mehr kriegt, wenn der Leib sich quält. Die Probanden des Fastens berichten von einem Lusterlebnis der Seele, von Freiheit, vom Glücksgefühl der Entschlackung. Ich sehe etwas misstrauisch in leicht sauertöpfische Gesichter, die fest behaupten, es würde ihnen so gut gehen und sie hätten großartige Erlebnisse gehabt. Glücklich sehen sie mir nicht aus. Und welch

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