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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

Paulus im Podcast

von Richard Rabensaat vom 29.04.2011
Vergebung per Mausklick. Kloster und Pixelkirche. Seriös, schlüpfrig oder dubios: Seelsorge im Internet kann alles sein

Es ist ganz einfach, im Internet zu beichten. Mehr als 110 000 Besucher von beichte.de haben diese Site nach Angaben des Betreibers Hartmut Landwehr bereits genutzt. Man braucht dort nur den schwarzen Button »Ich habe gesündigt und bereue« anklicken. »Wenn Sie Ihre Verfehlungen wirklich bereuen, wird Ihnen wahrscheinlich vergeben«, verkündet die Site hoffnungsfroh. Schließlich sei die Internetadresse auch gesegnet worden.

Beichten und Beten, Singen und Sinnsuche, Seriöses, Kurioses und Dubioses – alles findet sich im Netz. Von den großen Kirchen über dubiose Glaubensgemeinschaften bis zu spirituellen Selbstbastlern bieten die verschiedensten Homepages Seelsorge im Internet an. Virtuelle Kirchenräume mit romanischen Pixelmauern erscheinen beim Mausklick ebenso wie knochentrockene Information über Organisationsstrukturen oder tagesaktuelle Themen mit religiösem Hintergrund. Auch das ganz normale Gemeindeleben spielt sich mittlerweile im Virtuellen ab.

»Danke für so liebe Eltern seit fast 19 Jahren. Die mir immer helfen, egal wobei. Auch in der jetzigen schweren Situation meiner Trauerzeit. Einfach nur: Danke. Das musste ich jetzt einfach mal sagen«, schreibt »Stockrose« in einer kirchlichen Fürbitte der virtuellen St.-Bonifatius-Kirche. Das Internetportal funama.de gewährt beim Anklicken des Menüpunktes »Kirche« Eintritt.

Geweiht wurde die Internet-Kirche 1998 von dem Hildesheimer Weihbischof Hans-Georg Koitz. Zwei Kerzen brennen neben einem Heilandkreuz, Gläubige können in ein Gästebuch schreiben oder sagen, was sie bewegt. »Schwanger, was nun?«, fragt ein plüschiger Teddybär im Vorraum der Kirche, der auch Zugang zu einem Kloster bietet. Einen Klick weiter gelangt der Besucher in die Bibliothek und in das Oratorium.

»Nicht vergessen: Morgen ist Funcity-Kirchenchat. Billig um jeden Preis – Was ist mir Gottes Schöpfung wert?«, postet Rainer Gelhot im Gästebuch der Kirche. Er ist Gemeindereferent und einer der Autoren der Site, für die das Bistum Hildesheim verantwortlich zeichnet. »Per Mausklick in die Kirche« ist der Titel des Buches, in dem Gelhot und andere Autoren ihre Erfahrungen mit der Internetseelsorge beschreiben. Zwar könne die virtuelle Seelsorge niemals die reale ersetzen, meint Weihbischof Koitz. »Aber wir sind verpflichtet, die neuen Medien für die Verkündigung zu nutzen«.

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