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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Geht heute die Welt unter?

von Thomas Seiterich vom 21.12.2012
Wenn Sie diesen Artikel lesen, ist mit der Erde alles soweit in schönster physikalischer Ordnung. Eigentlich sollte genau am 21. Dezember die Welt untergehen. Das jedenfalls machen uns seit Langem Endzeitpropheten weis. Der Grund: Der Maya-Kalender endet heute. Doch die Maya erheben Einspruch gegen den esoterischen Missbrauch, der mit ihrem Schöpfungsmythos getrieben wird
Mexiko, Halbinsel Yucatán: Sonnenuntergang über der Maya-Pyramide Oxikintok (Foto: pa/TipsImages / Angelo Cavalli)
Mexiko, Halbinsel Yucatán: Sonnenuntergang über der Maya-Pyramide Oxikintok (Foto: pa/TipsImages / Angelo Cavalli)

Tage, Stunden, Minuten, Sekunden. Seit Wochen laufen im Internet die automatischen Zähler. Stakkato. Der »Maya-Kalender«, so tönt es aus weit über hunderttausend Foren in Google.de, wisse, dass unsere Welt genau am 21. Dezember untergehe. Spät, aber noch rechtzeitig, melden sich nun aus Guatemala die Maya selbst zu Wort. Der Nationale Rat für Bildung der Maya in Guatemala (Consejo Nacional de Educación Maya/CNE-M) kritisiert scharf die Gier, mit der westliche Esoterik-Unternehmen und Unterhaltungsmedien die uralte »Kosmovision«, also die Weltvorstellung der Indigenas, ausbeuten in der Absicht, damit Geschäfte zu machen. Fünfzehn Vereinigungen gehören dem Rat an. Nach Jahrzehnten eines brutalen Ausrottungskrieges gegen die Indigenas erkennt die heutige Regierung Guatemalas den Maya-Rat als Partner an.

Begonnen hat der ganze Hype um die Weltuntergangsprophezeiung mit einer westlich groben und unsensiblen Interpretation des Maya-Kalenders. Deshalb korrigiert der Rat der Maya nun die irrigen Auffassungen über das angeblich bevorstehende Ende der Welt. Am 21. Dezember endet in der Vorstellung der indigenen Völker nach rund 5128 Jahren der lange Zyklus 13. B’aqtun. Zugleich wird eine neue Zeitrechnung eingeleitet. Das Ende der Zählung des vergehenden Zeitalters ist für unzählige Menschen ein Grund, an das Eintreten des Weltunterganges zu glauben.

Die Maya selbst halten davon jedoch nichts. Für sie geht lediglich eine Epoche zu Ende – und zugleich beginnt ein neuer Kreislauf. Der Rat der Maya erklärt: »Wir gehen mit großen Schritten dem Ende eines großen Zyklus entgegen, der von unseren Ahnen eingeleitet worden ist: die Maya-Ära des

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