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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Hilfreiches über Jesus?

vom 21.12.2012
Kaum auf dem Markt, führte der dritte Band der Jesus-Trilogie von Papst Benedikt XVI. bereits die Hitliste aktueller Bücher an. »Jesus von Nazareth. Prolog: Die Kindheitsgeschichten«, so lautet der Titel. Bietet der Theologieprofessor auf dem Papststuhl hilfreiche Erkenntnisse über Person und Bedeutung Jesu von Nazareth? Ein Pro und Contra von Frank Hofmann und Norbert Copray

Frank Hofmann: Ja, das Geheimnis Jesu wird weise entschlüsselt

Wer sich für die historischen Fakten über Jesus von Nazareth interessiert, der findet dazu vorzügliche Werke auf zeitgemäßem Forschungsstand. Das neue Jesus-Buch von Joseph Ratzinger über die Kindheitsgeschichte gehört dazu nicht – ebenso wenig wie die beiden bereits erschienenen Jesus-Bände. Der Autor mag das anders sehen, die Güte seiner Jesus-Trilogie schmälert das nicht. Sie gibt nämlich Antworten auf eine ganz andere Frage: Warum sind die biblischen Zeugnisse über Jesus trotz ihrer historischen Bedingtheit so zeitlos weise, schön und inspirierend? Wie konnte die größte göttliche Offenbarung so lebendig tradiert werden, dass Milliarden Menschen bereit waren und sind, ihre Existenzbestimmung darauf zu gründen?

Wer diesem Geheimnis auf die Spur kommen will, der wird bei Ratzinger fündig. Mit großer Emphase und – zugegeben, parteiischer – Leidenschaft analysiert er die Evangelien, steuert bewusst die sperrigsten Stellen an, veranschaulicht kenntnisreich Intentionen und Textbezüge. Ratzinger liefert spannende, überraschende, teilweise auch gewagte Erklärungen und lässt so einen Teil der in den Evangelien enthaltenen unerschöpflichen Weisheit lebendig werden. Dabei kommt der brillante Stilist ganz ohne Fußnoten und zunfttypische Schachtelsätze aus.

Der Papst hilft uns, über ein Wunder zu staunen, dessen Größe nicht davon abhängt, ob Jesus in Nazareth oder in Bethlehem, von einer Jungfrau oder als leiblicher Sohn eines Handwerkers geboren wurde. Als evangelischer Christ wünsche ich dem Buch viele Leserinnen und Leser. Schade, dass der große Theologe Karl Barth dazu kein Vorwort mehr schreiben kann.

Norbert Copray: Nein, die Bibel wird der Kirchenlehre unterworfen

Erbauliches zu Weihnachten liest man gern. Entscheidendes zur Geburt Jesu hat das Lukasevangelium im »Magnificat«, dem Lobgesang Mariens, auf den Punkt gebracht: »Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter … Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht, die ihn ehren … Gewaltige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige richtet er auf. Hungrige sättigt er mit guter Nahrung, Reiche lässt er leer ausgehen.« Dieser frühchristliche Lobpreis, zusammengebaut aus Satzelementen der Psalmen, kommt im neuen Papst-Buch über die Kindheitsgeschichte

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