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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
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Der heimtückische Tröster

von Gunhild Seyfert vom 15.02.2014
Alkoholikerinnen galten lange als verwahrlost, arm und ungebildet. Doch tatsächlich sind es eher die gut ausgebildeten berufstätigen Frauen, die ihren Stress zunehmend mit Alkohol kompensieren. Über eine verschwiegene Sucht, ihre Ursachen und Therapiechancen
Frauen, die trinken, gehören häufig zur gebildeten Mittel- und Oberschicht: Sie verstecken ihre Sucht fast immer geschickt. Aber das heimliche Trinken ist anstrengend. (Foto: adrian825/thinkstock.de)
Frauen, die trinken, gehören häufig zur gebildeten Mittel- und Oberschicht: Sie verstecken ihre Sucht fast immer geschickt. Aber das heimliche Trinken ist anstrengend. (Foto: adrian825/thinkstock.de)

Es ist Feierabend, und Marina Küpers sitzt in ihrem tipptopp gepflegten Wohnzimmer, auf dem Couchtisch neben ihr ein Glas. Wie ein Wasserglas sieht es aus. Aber Marina Küpers, die anders heißt und anonym bleiben will, trinkt nicht Wasser, sondern Korn. Jeden Abend, jeden Morgen und auch tagsüber greift sie zum Alkohol. Nach außen hält sie alles in peinlicher Ordnung. Brav macht sie die Bügelwäsche glatt, während der Fernseher läuft. Schließlich ist alles erledigt, Herrenhemden, dezente Blusen fürs Büro und weiße Tischwäsche. Und wieder einmal hat sie es geschafft, hinter einer Fassade von Wohlanständigkeit ihre Alkoholfahne, das Zittern bei Entzug und ihr Elend als Trinkerin zu verheimlichen.

1,3 Millionen Deutsche gelten nach dem aktuellen Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung als alkoholabhängig. Riskante Mengen trinken 9,5 Millionen Deutsche. Ein Drittel davon, so schätzt man, sind Frauen. Tatsächlich könnten es noch mehr sein. Denn anders als Männer, die in der Kneipe oder vorm Supermarkt trinken und sich am liebsten mit Kumpels besaufen, schämen sich Frauen und verheimlichen es, wenn sie süchtig geworden sind. Eine Säuferin gilt als Schlampe, tiefer kann man kaum noch fallen. Wie geraten Frauen in so schwere Abhängigkeit? Brauchen sie als Frauen andere Hilfen als Männer?

»Schon als Kind hatte ich mal einen Schwips«, sagt Marina Küpers. Die 48-Jährige ist dezent geschminkt; trotz ihrer Alkoholkrankheit sieht sie gut aus. In ihrer Familie wurde gerne getrunken. Das galt als normal, erinnert sie sich. »Während meiner Ausbildung haben alle Freunde auch viel getrunken, und ich war am Wochenende beim Feiern immer dabei.«

Der Weg in die Sucht ist schleichend und z

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