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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

»Das Leben ist jetzt erst richtig«

von Barbara Tambour vom 14.11.2012
Als Jugendlicher wurde er sexuell misshandelt. Heute weiß er: Meine Milchglaszeit ist endlich zu Ende. Ein Leib- und Seele-Gespräch mit Matthias Katsch – einst Schüler eines Jesuiten-Kollegs
Matthias Katsch, geboren 1963, war Schüler am Canisius-Kolleg in Berlin. Heute ist er Sprecher des »Eckigen Tisches«, der Vereinigung von Missbrauch Betroffener an Jesuiten-Einrichtungen. (Foto: kna/Nowak)
Matthias Katsch, geboren 1963, war Schüler am Canisius-Kolleg in Berlin. Heute ist er Sprecher des »Eckigen Tisches«, der Vereinigung von Missbrauch Betroffener an Jesuiten-Einrichtungen. (Foto: kna/Nowak)

Herr Katsch, wir sitzen hier im Terminal 2 des Rhein-Main-Flughafens mit Blick auf die Start- und Landebahnen. Am Flughafen fühlen Sie sich besonders wohl. Warum eigentlich?

Matthias Katsch:Hier geht mir das Herz auf. Und beim Fliegen fühle ich mich wahnsinnig wohl. Dabei ist es völlig egal, wohin die Reise geht. Diese Zwischenzeit, das In-Bewegung-Sein – das macht mich sehr glücklich.

Wie viel Nähe zur Kirche ist für Sie noch oder wieder möglich – knapp vierzig Jahre nachdem Sie am von Jesuiten geleiteten Canisius-Kolleg in Berlin sexuell misshandelt worden waren?

Katsch: Ich habe immer noch die Hoffnung, dass man diese Kirche verändern kann. Wenn sich nichts ändert, hat sie auch für mich keinen Sinn mehr.

Als Jugendlicher waren Sie glaubensfroh und kirchlich engagiert.

Katsch: Ja, durch die Schule und ihre Jugendarbeit. Dort liefen noch Priester in Soutane herum, das Kirchliche war sehr präsent.

An dieser Schule wurden Sie von zwei Jesuiten sexuell misshandelt. Was hat das mit Ihrem Glauben gemacht?

Katsch: Zunächst scheinbar nichts. Zwar hatte ich ab dem 16. Lebensjahr immer wieder Depressionen, aber einen Zusammenhang sah ich nicht. Ich habe sogar überlegt, selber Priester zu werden, habe die Nähe zu Jesuiten gesucht und an einer Jesuiten-Hochschule Philosophie studiert.

Sie haben sich nicht abrupt nach dem Abitur von allem Kirchlichen abgewendet wie viele andere Betroffene?

Katsch:Nein, bei mir ging die Distanzierung über mehrere Jah

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