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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Ein Notnagel sollen sie nicht sein

von Thomas Bastar vom 09.11.2012
»Laien« übernehmen die Leitung von Gemeinden. Erste Erfahrungen mit einem Modellprojekt im Bistum Hildesheim

Wir sind im Pfarrhaus verabredet. Doch Pfarrer Johannes Pawellek ist nicht da. Für Stefan Schleper, den stellvertretenden Pastoralratsvorsitzenden der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Buxtehude bei Hamburg, ist das kein Problem: »Wir warten nicht auf den Pfarrer«, sagt der 47-jährige Chemie-Ingenieur. »Wenn er kommt, ist es gut. Wenn er verhindert ist, läuft es trotzdem.«

Und es läuft gut in Buxtehude und den Nachbarorten Neu Wulmstorf und Harsefeld. Drei Kirchengemeinden mit fast 8000 Katholiken sind seit zwei Jahren zu einer Pfarrei zusammengelegt. Ehrenamtliche Ortskirchräte leiten an den drei Kirchstandorten die Gemeindearbeit – im Rahmen des Modellprojektes »Delegierte Verantwortung« im Bistum Hildesheim.

Die Laiengremien üben zum Beispiel die Dienstaufsicht über die Angestellten am Ort aus. Das war zuvor Aufgabe des Pfarrers. »Wir haben ein Seminar zum Arbeitsrecht und zur Mitarbeiterführung besucht«, erklärt Diana Berg, 34-jährige Sprecherin des Ortskirchrats in Buxtehude. »Einige von uns hatten solches Wissen schon aus ihrem beruflichen Alltag, aber natürlich nicht alle.«

Auch kleinere Ausgaben verantwortet der örtliche Rat selbst. »Bei allem, was den Gesamthaushalt der Pfarrei nennenswert belastet, muss jedoch der Pastoralrat der Pfarrei mitentscheiden«, betont Stefan Schleper. Was die Ökumene angeht, ist nun wieder der örtliche Rat näher dran und daher zuständig. Zum Beispiel, wenn der Pastor der evangelischen Nachbargemeinde verabschiedet wird. »Ich wurde freundlich begrüßt, als ich zum ersten Mal zu solch einer Feier als Vertreterin unserer Gemeinde kam«, berichtet Diana Berg. »Und dann kam die Frage: Wo ist denn Ihr Pfarrer?« Die evangelische Kirche sei eben noch sehr auf die Hauptamtlichen zentriert, »wir sind da weiter«, freut sich die Katholikin. »Aber auch in unserer Gemeinde haben manche die neue Zeit noch nicht begriffen«, wendet Schleper kritisch ein.

Die neue Zeit – sie zeigt sich in Buxtehude zum Beispiel darin, dass die ökumenische (!) Fronleichnamsprozession zum größten Teil ohne Priester vorbereitet wird. »Unser Pfarrer hat da Zutrauen in uns«, sagt Diana Berg. »Er könnte aber auch gar nicht anders.« Denn tatsächlich nehmen die Aufgaben für die weniger werdenden Priester im Bistum Hildesheim ständig zu.

So betreut Pfarrer Pawellek seit einigen Monaten – zunächst als

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