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Geschenke zu Weihnachten?

In den Wochen vor dem Fest stöbern jetzt die meisten Menschen in Geschäften, auf Weihnachtsmärkten und im Internet nach Präsenten für ihre Verwandten und Freunde. Aber brauchen wir das? Eine Auseinandersetzung zwischen Tochter und Mutter
von Eva-Maria Lerch , Mirjam Lerch vom 18.12.2016
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Für Mirjam Lerch (linkes Bild) gehört Schenken und Beschenktwerden zu Weihnachten dazu, Eva-Maria Lerch meint, der Ursprung des Festes geht darüber verloren
Für Mirjam Lerch (linkes Bild) gehört Schenken und Beschenktwerden zu Weihnachten dazu, Eva-Maria Lerch meint, der Ursprung des Festes geht darüber verloren

Mirjam Lerch: Ja, das ist mir ganz wichtig

Als meine Mutter mir vorschlug, in diesem Jahr auf Weihnachtsgeschenke zu verzichten, war ich nicht gerade begeistert. »Aber das gehört doch dazu!«, habe ich spontan in den Hörer gerufen.

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Wenn ich an Weihnachten denke, habe ich ein genaues Bild vor Augen. Es lebt von Ritualen, angefangen vom gemeinsamen Aufbauen der Krippe bis hin zum gemütlichen Weißweintrinken auf dem Sofa. Und auch das Beschenken gehört dazu und macht einen wichtigen Teil des Heiligen Abends aus.

Schon seit Wochen mache ich mir Gedanken über die Weihnachtstage und über die, mit denen ich sie verbringen werde. Es ist eine Zeit, um innezuhalten, um über meine Liebsten nachzudenken, was ihnen wichtig ist und womit ich ihnen eine Freude machen kann. Es macht mir Spaß, durch die Stadt zu schlendern und mit dem Bild einer Person vor Augen etwas Passendes zu suchen.

Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich genau das Richtige für einen bestimmten Menschen gefunden habe. Zum Beispiel das Spiel »Smash up«, das meine Brüder und ich mal mit Freunden gespielt hatten und das ihnen damals sofort gefallen hat. Oder die Tickets für den »Song Slam«, den meine beste Freundin und ich schon mal zusammen besucht haben und der jetzt überraschend wieder stattfindet. Und die Kette mit dem Naturstein, die mich auf Anhieb an meine Mutter denken ließ. Ich kann es kaum erwarten, die Geschenke endlich zu übergeben!

Mir geht es nie darum, wie groß oder wie teuer ein Geschenk ist. Es ist mir aber wichtig, dass es genau für diese Person ausgesucht wird. Das kann auch ein selbst gemachter Likör sein, der exakt dem Geschmack der Beschenkten entspricht. Oder ein selbst gemaltes Bild, das an einen gemeinsamen Tag erinnert. Ein Geschenk ist ein Zeichen, das sagt: »Du bist mir wichtig und ich hab dich gern.« Wieso sollten wir das abschaffen?

Eva-Maria Lerch: Nein, das finde ich überflüssig

Weihnachten ist für mich ein bewegendes Fest: Da kommen unsere drei Kinder aus ihren Studienorten nach Hause, sie bauen mit ihrem Vater die Krippe auf, blödeln dabei mit den Tonfiguren herum und diskutieren lebhaft über verschiedene Optionen, eine Lichterkette auf Tannenzweigen zu fixieren. Danach sitzen wir stundenlang beim Essen, erzählen uns Neues aus Wohngemeinschaften, Redaktionsstuben und Seminaren in vier verschiedenen Städten. Wir knacken Nüsse, trinken Wein, und an diesem Abend darf ich sogar das Klavier aufklappen und »Oh du fröhliche« spielen. Und tatsächlich singen alle mit. Das alles ist für mich so reich und erfüllend, dass ich keine Geschenke mehr brauche.

Die Bescherung an Weihnachten war mir nur so lange wichtig, wie ich selbst ein Kind war. Und dann später als Mutter, als unsere Kinder klein waren. Ihre leuchtenden Augen beim Anblick der Geschenke habe ich nicht vergessen. Aber jetzt, wo alle erwachsen sind und sich selber alles kaufen können, finde ich den ganzen Geschenkekram eher sinnlos und lästig.

In unserer Überflussgesellschaft wird an Weihnachten sehr viel Geld für Verlegenheitsgeschenke ausgegeben, die am Ende nur die Schubladen oder Mülltonnen verstopfen. Um das zu vermeiden, fordern wir Eltern jetzt immer detaillierte Listen mit exakten Titeln und Bestellnummern der gewünschten DVDs oder Schreibtischlampen an. Das ist wenig romantisch und hat erst recht nichts mit dem Ursprung von Weihnachten zu tun – dem göttlichen Kind, das unterwegs in einer Notunterkunft geboren wurde. Deshalb würde ich das Geld für die Geschenke jetzt lieber denen überlassen, die heute in ähnlichen Ställen Zuflucht suchen müssen. Und sollte es dann später mal wieder kleine Kinder in der Familie geben, können wir ja wieder neu mit der Bescherung anfangen.

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Personalaudioinformationstext:   Mirjam Lerch,geboren 1994, studiert Umweltingenieurswissenschaften an der TU Darmstadt. Eva-Maria Lerch, geboren 1957, ist Redakteurin bei Publik-Forum.
Schlagwort: Weihnachten
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