Kindheit besser ohne Computer?
Gerald Lembke: »Ja! Die PC-freie Kindheit ist das Beste«
»Eine Kindheit ohne Computer ist der beste Start ins digitale Zeitalter. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Computer, Smartphones und Tablets behindern Kinder unter sechs Jahren sogar in ihrer kognitiven Entwicklung.
Eltern sollten ihren Kindern deshalb eine Kindheit ohne Computer gönnen. Dadurch verpassen die Kinder überhaupt nichts. Vor allem sollten Eltern sich nicht einreden lassen, durch frühes Wischen und Stupsen auf leuchtende Glasflächen würde irgendein Kind zum späteren digitalen Macher, Kreativen oder Gewinner. Wer sein Kind fördern will, der sollte es mit konkreten Dingen wie Bauklötzen, Stofftieren, Verkleidungsmaterialien, mit Matsch und Wasser spielen lassen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass das der richtige Weg ist.
Digitale Medienkompetenzen, also der kritische Umgang damit, können aufgrund fehlender kognitiver Voraussetzungen in diesem Alter nicht erworben werden. Das Hirn des Kindes kann die unzähligen Bildschirminformationen überhaupt nicht verarbeiten. Sein Stirnhirn ist bereits nach Minuten überfordert, gestresst, die Hirnentwicklung stagniert. Zudem wird die Kommunikation des Gehirns aus dem natürlichen Rhythmus gebracht. Dies kann sogar zu Schädigungen führen, wie aktuelle Erkenntnisse zeigen. Die Konsequenzen sind längst sichtbar: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen.
Kinder unter sechs Jahren müssen noch nicht mit der digitalen Welt vertraut gemacht werden. Deshalb sollten Kitas digitalfreie Zonen bleiben. Wer sie dennoch mit Computern für Kinder ausstattet, handelt wider die physiologische Entwicklung des kindlichen Gehirns und nimmt weitreichende Schädigungen der Kinder in Kauf.«
Antje Bostelmann: »Nein! Computer bereichern das Lernen«
»Der Einsatz digitaler Medien im Kindergarten ist absolut notwendig. Zum Einen, weil die digitale Welt zur Lebensrealität der Kinder gehört und der Kindergarten die Pflicht hat, diese in seiner Arbeit aufzugreifen. Zum Anderen, weil in den digitalen Medien riesige Chancen für die Vereinfachung und Erleichterung der Arbeit der Erzieherin liegen. Jede Minute, die in der administrativen Arbeit und in der Dokumentation im Kindergarten gespart werden kann, kommt den Kindern zugute.
Pädagogen von heute betreuen und bilden Kinder, die in einer Welt erwachsen sein werden, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es um mehr als nur um die Benutzung von digitalen Geräten geht. Es geht um die Veränderungen in unserer Gesellschaft, die im pädagogischen Kontext aufgegriffen werden müssen. Daher muss es für Pädagogen selbstverständlich sein, sich mit aktuellen Entwicklungen auseinanderzusetzen und die Kinder im Umgang mit Technik zu begleiten.
Digitale Geräte sollten als Werkzeuge begriffen werden, die Lernprozesse unterstützen können, in denen Kinder nicht passive Konsumenten sind, sondern selbst aktiv eigene Ideen umsetzen.
Der Mensch lernt und entwickelt sich in der direkten Auseinandersetzung mit der Welt und mit anderen Menschen. Der richtige Umgang mit Technik kann nur in der aktiven Anwendung gelernt werden. Fernhalten, Verbote oder einschränkende Reglements helfen den Kindern nicht.
Digitale Medien dürfen natürlich nicht die persönliche Beziehung und das reale Lernen ersetzen oder uns Menschen das Denken abnehmen. Wir sollten sie aber als Chance begreifen, das Lernen zu bereichern.«
Antje Bostelmann, geboren 1960, ist ausgebildete Erzieherin und bildende Künstlerin. Gemeinsam mit Michael Fink hat sie das Buch »Digital Genial: Erste Schritte mit Neuen Medien im Kindergarten« verfasst.
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