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Buchbesprechungen

vom 25.03.2026
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Fred Haller/Richard Stieglbauer/Peter Wolfrum
Stehenlassen und weitergehen
Chrismon. 191 Seiten. 18 €

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 6/2026 vom 27.03.2026, Seite 57
Frieden schaffen - jetzt mit Waffen?
Frieden schaffen - jetzt mit Waffen?
Ein Streitgespräch über christliche Friedensethik

Drei befreundete Männer aus Niederbayern, Angehörige verschiedener Kirchen, berichten über ihre Erfahrungen auf einer Teilstrecke des Franziskusweges. Sie wollen einander im jeweiligen Glaubensverständnis und in persönlichen Traditionen stehen lassen, in Toleranz weitergehen und das Gemeinsame teilen. Keiner von ihnen ist Theologe, sondern sie sind Techniker im Automobilbau, Angestellter im Fensterbau und Physiker im Umweltschutz. Sie verarbeiten ihre Eindrücke und Reflexionen. Dabei kommen Schilderungen ihrer Tage auf dem Wege – Wetter, Fußbeschwerden, schöne Dörfer, unterschiedliche Quartiere, Begegnungen – nicht zu kurz. A. Martin Steffe

Ricarda Lang/Steffen Mau
Der große Umbruch
Ullstein. 396 Seiten. 24,99 €

Die Vereidigung Donald Trumps war aussagekräftig: Direkt hinter dem mächtigsten Mann der Welt, der seinen Sieg auch unteren Gesellschaftsschichten verdankt, stand die Riege der reichsten Tech-Milliardäre. Auch bei uns hat sich die Gesellschaft mit der Verteilungsungerechtigkeit weitgehend arrangiert und streitet stattdessen lieber über Nebensächlichkeiten, konstatieren die Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang und der Soziologe Steffen Mau. Auf die großen Herausforderungen unserer Zeit haben die progressiven Kräfte noch keine Antwort gefunden, beklagen die beiden in ihrem ausführlichen, manchmal redundanten Dialog. Die Grünen, so fordert Lang, sollten im Konflikt zwischen Verantwortungsethik und Emanzipation des Individuums künftig das Gemeinschaftliche stärker betonen. Zudem schreiben Lang und Mau allen Parteien ins Pflichtenheft, mehr öffentlichen Diskurs zu wagen. Michael Kuderna

Gabriel Zucman
Reichensteuer. Aber richtig!
Suhrkamp. 66 Seiten. 12 €

Der französische Ökonom erklärt kompakt, warum Menschen mit Vermögen ab 100 Millionen Euro besteuert werden müssten – und wie sie besteuert werden könnten. Sein Vorschlag: eine Mindeststeuer von zwei Prozent auf Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro. Zucman widerlegt den Einwand, wonach Steuern auf Vermögen Unternehmen schaden. Sie träfen nicht die Unternehmen, sondern die Empfänger von Dividenden. Bei großen Konzernen fließen die Dividenden an Holding-Gesellschaften – und diese sind nicht der Einkommenssteuer unterworfen. Da der größte Teil der Vermögen in Kapitalgesellschaften steckt, können Multimillionäre und Milliardäre die Besteuerung ihres Vermögens verhindern. Zucmans Vorschlag geht mittlerweile um die Welt. In der französischen Nationalversammlung erhielt er eine Mehrheit, aber drei Viertel aller Bundestagsabgeordneten erachteten ihn als nicht diskussionswürdig. Warum? Wolfgang Kessler

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Lukas Niederberger
Sinn findet uns, wo wir ihn nicht suchen
Patmos. 144 Seiten. 19 €

Können Leid und schwierige Lebenssituationen Sinn stiften? Der Theologe und Philosoph Lukas Niederberger nimmt die Lesenden an 23 »dunkle Orte des Lebens« mit. Es geht um Angst, Einsamkeit, Schuld, Trauer und Sterben. Niederberger regt an, in Leidenssituationen den Blickwinkel zu ändern, damit Mitgefühl und Solidarität entstehen können. Er lässt eigene Erfahrungen aus seiner ungewöhnlichen Biografie in seine Überlegungen einfließen. Jedes Kapitel ist klar strukturiert, steht für sich und kann allein gelesen werden. Geeignet ist das Buch aber auch für Gruppenarbeit. Übungen und Anregungen zur Reflexion schließen sich an. Ein Mutmachbuch, nicht nur in Krisen. Vera Piontek-Krebber

Bernhard Schlink
Gerechtigkeit
Diogenes. 208 Seiten. 25 €

Dass er die Kunst des Erzählens beherrscht, hat der Jurist und Rechtsphilosoph mit seinem Roman »Der Vorleser« bewiesen. Sein Essay zur Gerechtigkeit ähnelt einem Lehrbuch. Reflexionen, von Aristoteles, Rawls, Sen und anderen Philosophen inspiriert, wendet Schlink kurz und bündig auf viele konkrete Fälle von (Un-)Gerechtigkeit an. Wichtig ist für ihn: Bei der »wesentlichen« Gleichheit aller Menschen muss immer auch die relative Ungleichheit respektiert werden: Kinder oder Menschen mit Einschränkungen zum Beispiel sollen eine gerechte »Ungleich-Behandlung« beanspruchen dürfen. Eine Leidenschaft für Klimagerechtigkeit oder für eine gerechte »Reichensteuer« findet man nicht. Sprachlich ist der Essay oft misslungen, vieles ist nur mit Mühe nachvollziehbar. Schlinks »Credo« heißt: Der faktische, oft ungerechte Zustand der Welt darf niemals akzeptiert werden. Christian Modehn

Emilia Roig
Lieber Sohn oder So rettest du die Welt
Kjona. 88 Seiten. 20 €

Die Politikwissenschaftlerin führt Impulse aus ihrer Rassismus- und Sexismuskritik zu einer Ethik der Fürsorge zusammen: Beziehung statt Beherrschung, Mitgefühl statt Profit. Im Tonfall deutlich und ermutigend, als wolle sie die Welt retten wie eine erfahrene Aktivistin – aber das Ziel des langen Briefes an ihren Sohn ist eigentlich leise: er möge nicht vergessen, wie sehr er verbunden ist mit allem, was lebt. Care-Arbeit soll öffentlich gemacht werden statt in privater Vereinzelung zu bleiben. Roig denkt die Welt als Beziehungsgeflecht, sie will, dass das Miteinander als Zentrum der Realität anerkannt wird – bis hin zum Sterben. Dafür findet sie starke Worte an alle Generationen. Und einen Appell: es braucht Menschen, die diese Vision wirklich leben. Marie-Luise Habbel

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