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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2020
Selbstbestimmt sterben
Sterbefasten – was es für alte Menschen und deren Angehörige bedeutet
Der Inhalt:

Das Prinzip Stille

von Gunhild Seyfert vom 06.10.2020
Eine abgeschlossene Welt am Rande der Innenstadt. Es passiert nichts, trotzdem geschieht sehr viel. Ein Tag bei den kontemplativen Benediktinerinnen von Osnabrück.
Dem Gebet soll nichts vorgezogen werden. Die Benediktinerinnen im Chorgestühl (Foto: von Brill)
Dem Gebet soll nichts vorgezogen werden. Die Benediktinerinnen im Chorgestühl (Foto: von Brill)

Draußen ist es noch dunkel. Aber im Kloster der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament in Osnabrück brennen frühmorgens kurz vor sechs Uhr schon hell die Lichter. Zehn Nonnen stehen aufrecht im Chorgestühl ihrer hoch gebauten, schlichten Kirche. »Herr, öffne unsere Lippen«, bitten sie in den Laudes, ihrem ersten Stundengebet. Noch mehr als drei Stunden werden sie heute damit verbringen, gemeinsam zu singen und zu beten. Die Sehnsucht nach Gott, Freude am liturgischen und persönlichen Gebet und die Bereitschaft, für eine Klostergemeinschaft auf Lebenszeit auf viele Annehmlichkeiten zu verzichten, hat sie dazu gebracht, Nonnen zu werden.

Nahe der Altstadt, dicht am lauten Innenstadtring, liegt auf einem weitläufigen Grundstück das 120 Jahre alte Klostergebäude. 16 Schwestern im Alter zwischen 27 und 91 Jahren leben hier. Zwei von ihnen tragen noch den weißen Schleier der Novizin. Andere sind gebrechlich und brauchen Unterstützung und Pflege. Es sind die Schwestern der mittleren Generation, die tatkräftig und selbstbewusst das Kloster tragen. »Wir haben eine Struktur durch Gebete und gemeinsame Mahlzeiten«, sagt Priorin Schwester Eva-Maria. Eine der wichtigsten Aufgaben der 49-Jährigen ist, sowohl die Gemeinschaft der Nonnen als auch die individuelle Persönlichkeit jeder der Frauen im Blick zu haben.

Das erste Stundengebet ist gerade vorüber, da beginnt um sieben Uhr die Messe. Mit unterschiedlichen Priestern, die vom nahe gelegenen Dom kommen, feiern die Nonnen jeden Morgen die Eucharistie. 14 Nonnen sitzen sich im Chorgestühl gegenüber. Zwei Rollatoren parken vor den Kirchenbänken. Glockenhell und klar klingen ihre hohen Frauenstimmen. So zu st

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