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Die Papstkrise

So viel Opposition war nie in der römischen Kurie. Für die einen verändert Papst Franziskus zu wenig. Für die anderen führt sein Kurs der Barmherzigkeit in die Irre
von Thomas Seiterich vom 14.01.2017
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(Zeichnung: Mester)
(Zeichnung: Mester)

Papst Franziskus ist seit Kurzem achtzig. Er selbst sagt, sein Pontifikat ende vielleicht schneller, als gedacht. Der Aufbruch scheint vorbei. Sein Jahr der Barmherzigkeit, bei dem er allein auf dem Petersplatz in Rom vier Millionen Menschen traf und die Herzen der meisten mit seiner herzlichen Präsenz bewegte, ist zu Ende. Was bleibt? Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Sie fällt – was die Kirchenspitze angeht – bitter aus.

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Seine Gegner halten Franziskus für einen Kirchenverderber

Denn im Vatikan tobt ein leiser Stellungskrieg. Eine dermaßen harte, oberkirchliche Opposition gegen einen amtierenden Papst gab es noch nie seit dem 19. Jahrhundert, als sich die römische Kirche beim Ersten Vatikanischen Konzil 1870 neu aufstellte und sich dann Zug um Zug zu einer zentralistischen Weltkirche entwickelte. Die Opposition gegen Franziskus steht innerkatholisch extrem rechts. Sie hält ihn für einen Kirchenverderber. Der Papst aus dem Jesuitenorden verteidige die Lehre nicht. Ja, er verstoße gegen sein Amt und verrate das Depositum Fidei, den überkommenen Glaubensbestand, weil er das Christentum den heutigen Menschen mitsamt ihren Irrtümern anpasse. Lehrmäßig betreibe Franziskus den Ausverkauf zu kleinem Preis. Dies ist der dramatische Kern der Vorwürfe. Bringt man das auf den Begriff, geht es um Häresie, um Verrat am Glauben. Ist der Papst ein Häretiker?

Verkörpert wird die theologische Opposition von vier alten Kardinälen: Walter Brandmüller, Joachim Meisner, Carlo Caffarra und Raymond Leo Burke. Sie stammen allesamt aus der autoritären Zeit der Päpste Wojtyla und Ratzinger. Auch die unbarmherzige Befehls- und Gehorsams-Theologie, die hinter dem Herbst-Brief der vier Kardinäle an Franziskus steckt, stammt aus jener alten Zeit. Darin beschweren sie sich, der Papst verwässere die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe, weil er die Seelsorger und die Betroffenen entscheiden lasse, ob geschiedene und erneut verheiratete Gläubige zur Kommunion zugelassen werden. Zuletzt hatten die Päpste Johannes Paul II. (1981) und Benedikt (2011) die alte Kirchenlehre eingeschärft, die das Leben dieser Millionen Katholiken als »schwere Sünde« betrachtet.

Vor wirksamen Reformen schreckt der Papst zurück

Und Franziskus? Der Mann ist durch und durch Jesuit. Er stellt sich in die jahrhundertealte, elastische Seelsorgepraxis seines Ordens: Stets hatten die Jesuiten als Beichtväter und Begleiter von Königen und Bürgern in Zeiten harter Lehre mit dem oder der Betroffenen den vorliegenden Einzelfall betrachtet – meist so ausgiebig und so gründlich, bis eine akzeptable Lösung gefunden war. So übersetzten sie die Aristoteles zugeschriebene Tugend der »Epikie« in die pastorale Situation. Als Reformer der Lehre sind die Jesuiten weniger hervorgetreten. Denn mit ihrer Art der Seelsorge konnte man das strenge Lehrgebäude stehen lassen und dennoch leben.

Franziskus offenbart mit dieser Haltung Schwäche und Stärke zugleich: Schwäche, weil er vor heißen, rechtlich wirksamen Reformen wie zum Beispiel dem überfälligen Diakonamt für die Frau oder einer Freiwilligstellung der Ehelosigkeit für Priester zaudert. Stärke, weil er unter dem Label Barmherzigkeit mehr Elastizität und Humanität in seinen Tanker Kirche hineindrückt. Doch: Muss man ihm dabei folgen? Hartleibige Konservative tun dies nicht, denn sie beharren auf dem Ausschluss der »Sünder«. Das macht Franziskus zornig und ratlos. Er verweigert den Kritik-Kardinälen die geforderte Antwort. Er sagt stattdessen, sie hätten »nichts begriffen«.

Wut und Ärger zum Jahresende

Wut und Ärger auch bei seiner Programmrede zum Jahresende an die Kurienkardinäle: Reformen seien Zeichen von Vitalität und notwendig. In seltener Schärfe spricht Franziskus von »böswilligen Widerständen« in der Kurie. Die Leitlinie seiner Reform laute »mehr Dialogkultur«. Die Vatikan-Veränderung geschehe nicht »als Schönheits-OP, um die Falten zu entfernen«, sagt Franziskus: »Es sind nicht die Falten, vor denen man sich in der Kirche fürchten muss, sondern die Schmutzflecken.« Oftmals komme die Reformverweigerung »im Schafspelz« daher. »Sie verbirgt sich hinter rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten und flüchtet sich in Traditionen, Schein, Formalität, in das Bekannte.«

Trotz des anhaltenden Zuspruchs der Massen. Es wird härter für Franziskus.

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Schlagwörter: Opposition Papst Franziskus
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