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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Keine Angst vor Veränderung

von Bernhard Pötter vom 21.12.2018
Die Weihnachtsbotschaft der UN-Klimakonferenz von Kattowitz. Ein Zwischenruf

Die 24. UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz endete vorige Woche mit 24 Stunden Verspätung. Vor allem aber mit einer Verzögerung von 24 Jahren. Denn seit der ersten Konferenz 1995 in Berlin haben Wissenschaft, Diplomatie und Wirtschaft große Schritte gemacht, um das Problem zu erkennen. Und trotzdem haben seitdem die weltweiten Emissionen der Treibhausgase um etwa ein Drittel zugelegt. Auch 2018 brachte wieder Rekorde bei den Emissionen und den Temperaturen.

Kattowitz war ein Erfolg, wenn man der Logik der Verhandlungen folgt. Die Regeln, die dort vereinbart wurden, machen zum ersten Mal vergleichbar, was die Länder beim Klimaschutz leisten. Regelmäßig müssen sie darüber Rechenschaft ablegen. Die Konferenz hat einen Expertenbericht anerkannt, der zu mehr Anstrengung mahnt, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Und sie ist inzwischen eines der seltenen Foren, in denen der Multilateralismus noch halbwegs funktioniert. Aber für die reale Welt im Angesicht der fortschreitenden Erderwärmung brachte das Treffen keine neuen Ziele im Klimaschutz, nicht mehr Geld für die Armen und erst recht keine aktuelle Minderung der gefährlichen CO2-Emissionen. Kattowitz war gut für den UN-Prozess, aber (wieder einmal) eine verpasste Chance für eine echte Lösung des Problems. Zu hoffen bleibt, dass die Verpflichtung für alle Länder, regelmäßig über ihren Klimaschutz zu berichten, viel Druck auf die Regierungen ausübt. Denn blamieren willen sich keine Regierung auf internationalem Parkett.

Das Bizarre an der Klimapolitik aber ist und bleibt: Wir wissen inzwischen nicht nur, woher die Gefahr droht. Wir wissen auch, was dagegen zu tun wäre. Und, noch absurder: Es wäre lang- und mittelfristig einfacher, gesünder und sogar billiger, wenn wir uns von der fossilen Wirtschaft verabschieden würden, die unser ganzes Leben und Arbeiten prägt.

Wie also kommt das Neue in die Welt, das die drohende Gefahr abwenden kann? Das ist eine Frage, die sich gerade Christinnen und Christen rund um Weihnachten und Neujahr durchaus stellen dürfen. Die erste Antwort: Wir müssen klar sagen, was verschwinden muss. Was unsere Zukunft gefährdet, muss beendet werden. Das bedeutet: Die Nutzung von Kohle, Gas und Öl muss in den nächsten dreißig Jahren praktisch eingestellt werden. Wer davon betroffen wird, weil er im Braunkohle-Tagebau oder bei VW arbeitet, muss eine Perspektive und Hilfen bekommen.

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