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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Digitalisierung ohne Skrupel

von Wolfgang Kessler vom 21.12.2018
Politik und Wirtschaft wollen den Einsatz digitaler Technologien beschleunigen – und vergessen dabei alle ethischen Bedenken. Das kann gefährlich werden

Jetzt ist es mal wieder so weit: Unternehmer, Politiker und Experten (oder solche, die sich dafür halten) diagnostizieren einen Nachholbedarf Deutschlands bei Zukunftstechnologien. Bei der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internet und der fünften Generation des Mobilfunks rangierten die Deutschen »im Tabellenkeller«, schrieb eine Tageszeitung. Angela Merkel will endlich die Lücke gegenüber der Konkurrenz bei digitalen Technologien und künstlicher Intelligenz schließen. Zwar ehrt es Wirtschaft und Politik, dass sie Deutschland zukunftsfähig machen wollen. Allerdings kommen solche Beschleunigungsversuche gerne mit einem Hintergedanken daher: nämlich endlich die vielen ethischen Bedenken über Bord zu werfen.

Niemand bestreitet, dass die neuen Technologien Vorteile bringen: Flächendeckendes schnelles Internet kann die ländlichen Räume aufwerten; digitale Techniken werden die Arbeitswelt sauberer machen. Künstliche Intelligenz kann von Nutzen sein in der Medizin oder in der Pflege. Selbstfahrende Autors werden die Zahl der Unfälle verringern. Andererseits weisen Wissenschaftler schon jetzt auf erhebliche Nebenwirkungen hin, die die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringt. Doch wer diese Nachteile allzu sehr betont, gilt als Bedenkenträger, der die Zukunft der deutschen Wirtschaft riskiert.

Klar ist seit Langem, dass die Roboterisierung der Arbeitswelt soziale Probleme aufwirft. Wenn Maschinen Beratungsgespräche selbst führen, Verwaltungsvorgänge übernehmen und sich in der Industrie selbst steuern, wird die Zahl der Arbeitsplätze abnehmen. Die Gewinne der Unternehmen dagegen werden steigen. Umso dringlicher wären deshalb Diskussionen über die Folgen für die Beschäftigung, über eine mögliche Verkürzung der Arbeitszeit, über die Beteiligung der Arbeitnehmer, ja aller Bürgerinnen und Bürger an den Digitalisierungserlösen. Oder bräuchten wir vielleicht sogar eine Maschinendividende zur Finanzierung des Sozialstaates oder eines Grundeinkommens? Über all das wird diskutiert, doch Beschlüsse gibt es keine. Ohne soziale Rahmenbedingungen für die Digitalisierung wird die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern in Deutschland jedoch immer größer.

Eine weitere Nebenwirkung ist der hohe Stromverbrauch digitaler Technologien. Eine einzige Internetsuche verbraucht laut Google so viel Energie wie eine Elf-Watt-LED-Bi

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