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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was tun gegen Hass an Schulen?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 21.12.2018
Fragen an Hamza Wördemann von der Organisation »JuMu – Juden und Muslime zusammen«

Publik-Forum: Herr Wördemann, eine neue Studie beklagt zunehmenden Antisemitismus an Schulen. Bei »JuMu« engagieren sich Juden und Muslime gemeinsam gegen Rassismus. Kürzlich fand Ihr Jahreskongress in Düsseldorf statt, zu dem Lehrer eingeladen waren. Was haben sie berichtet?

Hamza Wördemann: »Du Jude« ist ein gängiges Schimpfwort auf den Pausenhöfen, und Verschwörungstheorien, in denen meistens auch Juden eine Rolle spielen, blühen. Dass Rassismus in den Klassenzimmern ein ernstes Problem ist, sieht man schon daran, dass unser Projekt »Vielfalt zum Anfassen« von den Schulen enorm nachgefragt wird.

Inwiefern unterstützt dieses Projekt Lehrer im Kampf gegen Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit?

Wördemann: Wir bieten Workshops mit je einem jüdischen und einem muslimischen Referenten an, die beide jünger als dreißig sind. Sie erzählen von sich, ihrem Alltag und Glauben und sprechen über Rassismus. Im Anschluss gibt es ein Halal-Koscher-Buffet.

Und das soll gegen Rassismus helfen?

Wördemann: Ich glaube, das tut es. Unsere Stärke ist, dass wir auf die emotionale Ebene setzen. Begegnungen können viel bewirken und Vorurteile entkräften. Natürlich verblasst das irgendwann, aber es ist ein Anfang. Letztlich hängt Rassismus auch damit zusammen, dass viele Menschen überfordert sind mit der Komplexität unserer Welt. Mithilfe simpler Verschwörungstheorien versuchen sie, Ordnung in das Chaos der heutigen Zeit zu bringen.

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, aber häufig fallen besonders muslimische Jugendliche durch antisemitische Parolen auf. Warum?

Wördemann: Ich denke, das liegt zum großen Teil am Nahostkonflikt. Da wird vieles durcheinandergeworfen. Die Jugendlichen sehen auf Facebook Videos von israelischen Soldaten, die palästinensische Kinder treten, und differenzieren nicht. Das ist das Problem. Ich als Muslim werde nicht verantwortlich gemacht, wenn das Regime in Saudi-Arabien Menschen umbringt. Aber wenn israelische Soldaten Gewalt anwenden, müssen sich hier lebende Jüdinnen und Juden unsinnigerweise Vorwürfe anhören.

Und wie ist es um Islamfeindlichkeit auf den Pausenhöfen bestellt,

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