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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Die Wunden auf dem Balkan bluten noch

Das Gift des Nationalismus und der einsame Kampf der interreligiösen Friedensarbeiter im ehemaligen Jugoslawien

Berak, so heißt ein Bauerndorf in der slawonischen Ebene im Osten Kroatiens. Noch vierhundert vorwiegend ältere Menschen, mehrheitlich Kroaten, leben dort unmittelbar an der Grenze zur Republika Srpska, dem autonomen Teil der Republik Bosnien-Herzegowina, der heute überwiegend von bosnischen Serben bewohnt wird. Im Krieg 1991 wurde das Dorf Berak von Serben erobert. »Sie töteten 62 Männer im Dorf, zwölf sind vermisst, allesamt Zivilisten«, klagt Dragitza Aleksia, eine sehr fromme Bäuerin. Sie macht religiöse Friedensarbeit im Dorf. Dazu zählt, dass sie Serben freundlich begegnet – zum Missvergnügen vieler Nachbarn, die auch 22 Jahre nach Kriegsende nur ihr eigenes Leid sehen können. Jedes Jahr findet auf ihre Initiative im Dorf ein interreligiöses Friedensgebet statt »Das bereite ich das ganze Jahr über vor«, sagt die 67-Jährige. Eingeladen sind alle, doch es kommen nur friedensbewegte Ökumeniker; Muslime, Orthodoxe sowie Katholiken aus Kroatien und Bosnien. »Der katholische Pfarrer von Berak kommt und auch der griechisch-katholische Priester«, sagt Dragitza Aleksia. Für die Teilnahme der örtlichen Geistlichkeit am Friedensgebet hat die Bäuerin lange werben müssen. »Mein Vorbild ist das interreligiöse Gebet für den Frieden in Assisi, zu dem Papst Franziskus alljährlich einlädt.« Beim Friedensweg durch Wiesen und Wälder gingen dieses Jahr 46 Engagierte mit. »Das ist viel«, sagt sie. Männer sind jedoch nur wenige darunter: »Die mühsame Arbeit gegen die herrschenden Feindbilder leisten vor allem Frauen.«

Die Friedensarbeiterin sitzt im traditionell eingerichteten Wohnzimmer. Im Hintergrund blinken Computer und Faxgerät. Auf dem Hof bellen die Jagdhu