Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

Einmal SED, immer SED?

von Bettina Röder vom 21.11.2014
Die Linke, die DDR-Vergangenheit und ihre Politik in verschiedenen Landesregierungen

Norbert Lammert wusste wohl, was er tat. Bei seiner Einladung von Wolf Biermann in die Gedenkstunde des Bundestages zum Mauerfall war klar: Der Liedermacher würde sich Kritik an den Linken nicht verkneifen. Und so kam es auch. Biermann verspottete die Abgeordneten der Linken als »elenden Rest dessen, was zum Glück überwunden ist«. Die einen jubelten, die anderen waren entsetzt. Und wieder einmal war das Land gespalten.

Gerade darum sollte erinnert werden: Wenn 1989 auch so mit Andersdenkenden umgegangen worden wäre, wie das Biermann getan hat, dann hätte es keine Friedliche Revolution gegeben und wir würden alle noch an der Mauer kratzen. Denn »Entfeindung«, der Kurs der evangelischen Kirchen, das hieß, auch den Andersdenkenden oder auch Gegner ernst nehmen, ihn trotz alledem achten. Das war die Stärke und der Grund für den gewaltlosen Umbruch. Der sich ja gerade dadurch auszeichnete, dass die Menschen trotz staatlicher Gewalt friedlich blieben. »Keine Gewalt!« Das war auch verbal gemeint.

Das ist Geschichte. Doch wer sie »nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen«, hat der amerikanische Philosoph George Santayana einmal gesagt. Die Linke macht es sich darum zu leicht, ihren Ärger über Biermann abzutun, indem sie ihn in die Ecke des »alten Opas« stellt. Denn die Auseinandersetzung um die jüngste Geschichte wird nicht ruhen. Und das ist gut so. Nur müsste sie endlich sachlich geführt werden. Wer beklagt, dass auf der Politik Mehltau liegt, wird nicht gleichzeitig fordern können, dass eine Schwamm-drüber-Tendenz vorherrscht.

Ex-Stasi-Mann ist Chef in Leipzig

Christian Wolff, ehemaliger Pfarrer der Thomaskirche in Leipzig, der aus dem Westen in den Osten kam, sieht es als entscheidenden Fehler, dass SED-Kader einfach in der Linkspartei weitermachen. Der Hinweis auf die Blockparteien, insbesondere die CDU, mache das nicht besser. Es sei unsäglich, sagt er, dass ausgerechnet in Leipzig, der Stadt der Montagsdemonstrationen und Friedensgebete, der Vorsitzende der Linkspartei, Volker Külow, bis 1989 Stasi-Mann war. In der Linkspartei, sagt Wolff, habe man versäumt, einen Schnitt zu machen. So wie von der Ökumene nach 1945 von den Kirchen ein Stuttgarter Schuldbekenntnis gefordert wurde.

Wir stellen uns der Vergangenheit, andere tun das nicht, hält Dietmar Bartsch, stellver

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen