Zur mobilen Webseite zurückkehren

Das Brot der späten Jahre

Im Haus von Heinrich Böll finden verfolgte Schriftsteller Ruhe und Zuflucht
von Irene Dänzer-Vanotti vom 04.05.2012
Artikel vorlesen lassen

Alexander Solschenizyn kam direkt aus dem Gefängnis hierher: am 13. Februar 1974 hatte die Sowjetunion den Autor des »Archipel Gulag« verhaftet und ausgewiesen. Noch am selben Tag traf er in Langenbroich ein, in einem unscheinbaren Örtchen westlich von Köln, von dem es heißt, es läge in der Eifel, wo aber weit und breit keine Berge zu sehen sind. Heinrich Böll hatte hier ein Ferienhaus mit Bruchsteinmauern. Bibliothek, enge Küche, eine Veranda mit Blick auf Streuobstwiesen, eine schlichte Unterkunft mit Brot, Wein und Zigaretten. Für das Lebensnotwendige war gesorgt. Hier nahmen Heinrich und Annemarie Böll ihren Freund Alexander Solschenizyn auf. Es war die erste Station seines Exils. Ein Zufluchtsort für verfolgte Schriftsteller ist das Haus nach dem Tod von Heinrich Böll geblieben. Autorinnen und Autoren können in diesem Haus auf Einladung der Stiftung des Böll-Hauses einige Monate lang leben und arbeiten. Hier weht der Geist Heinrich Bölls, und seine Bücher – zu ihnen gehört sein berühmtestes Werk »Das Brot der frühen Jahre« – werden als Weltliteratur gelesen. Die kritische Haltung vieler deutscher Intellektueller gegenüber dem Nobelpreisträger – guter Mensch, aber mittelmäßiger Autor – teilen seine jungen Kollegen aus Russland, Tunesien, China und dem Irak nicht.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0