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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

erzähl mir von dir ...

von Rosa Stern vom 04.05.2012
Diese Armut – und zugleich diese Lebensfreude

Sarah Blume (23) und Jonathan Schmidt (21) haben ein Jahr lang im Rahmen eines Freiwilligenprogramms des Berliner Missionswerks in Kapstadt gearbeitet: Mit Aidskranken, Jugendlichen und Armen. Mit einem anderen Blick auf die Menschen und Probleme in ihrem Heimatland sind sie vor einiger Zeit zurückgekommen. Sarah studiert Sozialpädagogik und Jonathan evangelische Theologie. Sie leben in Dresden und Berlin. In ihrem nachfolgend aufgezeichneten Gespräch erinnern sie sich an ihre Erlebnisse in Afrika.

Jonathan: Sarah, ich freu mich, dich mal wieder zu treffen. Ich bin in Gedanken immer noch oft in Kapstadt. Geht’s dir ähnlich?

Sarah: Natürlich, alles ist immer noch sehr präsent. Ich war ja vor drei Jahren die erste Freiwillige, die nach iThemba Labantu geschickt wurde, und sehr aufgeregt, ich wusste nicht, was mich da erwartet.

Jonathan: Was mich gleich am Anfang total überrascht hat, war diese krasse Armut, die Kriminalität, aber auch die Menschen, die trotz allem irgendwie zufrieden wirkten. Das wäre in Deutschland nicht möglich. Da fangen die Leute doch schneller an zu klagen, wenn ihnen etwas nicht passt.

Sarah: Ja, das Leben der Menschen in Südafrika scheint nach anderen Mustern zu laufen. Mir fällt gerade ein, dass ich nach Ankunft auf dem Flughafen in Kapstadt erst mal zwei Stunden auf die Abholer warten musste. Aber das ist eben auch südafrikanische Realität. Man lässt sich Zeit.

Jonathan: Stimmt genau. Man muss ein bisschen umdenken. Ich hab dann auch erst ganz in Ruhe geschaut, wo ich mich als Freiwilliger einbringen konnte. Es gibt in iThemba Labantu so viele Möglichkeiten: Ich hab zuerst in einer Perlenwerkstatt gearbeitet.

Sarah: Die kenn ich natürlich auch. Die Frauen, die mit HIV leben und dort eine Möglichkeit erhalten, ein bisschen Geld zu verdienen, haben mich unheimlich beeindruckt. Vor allem, dass sie ganz offen über ihre Krankheit reden, was in Südafrika nun wirklich nicht üblich ist. Ein bisschen schwierig war anfangs dann die Rolle, die ich als junge weiße Frau dort hatte. Aber ich hab mich einfach zu den Afrikanerinnen gesetzt, mit ihnen viel geredet, und wir haben uns dann gut verstanden, Probleme

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