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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Buch des Monats: Gott rettet die Verlorenen

von Norbert Copray vom 27.10.2017
Meditationen über Judas und Jesus

Christoph Wrembek SJ
Judas, der Freund
Du, der du Judas trägst nach Hause, trage auch mich. Neue Stadt. 158 Seiten. 16,95 €

Judas möchte niemand heißen. Denn »Judas, der Verräter« hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Nach den Erzählungen des Neuen Testaments löst Judas, ein Anhänger Jesu, dessen Verhaftung durch die Römer aus, die schließlich zu seiner Kreuzigung führte. Judas soll sich danach selbst getötet haben.

Seither gilt Judas als Inbegriff eines Sünders, eines Menschen, der es verdient hat, von anderen verachtet und verworfen zu werden. Mehr noch: Als jemand, der sogar vor sich zu diesem vernichtenden Urteil kommt. Das Buch des Jesuiten Christoph Wrembek vermittelt schon auf dem Cover eine andere Lesart. Deutlich erkennbar ist die Abbildung eines 900 Jahre alten Kapitells der Kathedrale Sainte-Marie-Madeleine von Vézelay in Burgund (Frankreich). Sie zeigt Jesus, wie er den toten Judas nach Hause trägt. In der gleichen Basilika ist links von diesem Bildnis eins mit dem erhängten Judas zu erkennen. Beide Darstellungen zeigt und meditiert Wrembek in seinem Buch. Was ihn besonders fesselt und den Anstoß für das Buch gab, ist das Bild von Jesus, der den toten Judas auf den Schultern trägt wie ein guter Hirte ein verlorenes oder verwundetes Schaf.

Wrembek, Priesterseelsorger in den Diözesen Münster, Osnabrück und Hildesheim sowie Exerzitienmeister, leistet seit 1991 missionarische Aufbauarbeit in Estland und ist Autor zahlreicher Bücher. In einer einfühlsamen und klaren Sprache erschließt er den Umgang Jesu mit Sündern, Verlorenen und vermeintlich Verdammten als Vorbild für alle Menschen. Mit genauer Beobachtung der Bibelpassagen und in einer menschenfreundlichen Perspektive überzeugt Wrembeks Botschaft vom liebenden, herzlichen, barmherzigen Gott: »Gott ist kein ›Wachtmeister‹, sondern ein mütterlich Schenkender.« Dabei vermittelt er auf ebenso schlichte wie gut begründete Weise nicht nur eine Theologie der tatsächlich grenzenlosen Barmherzigkeit Gottes, sondern auch eine Kultur des christlichen Tuns. »Für Gott gibt es nichts Irreversibles!«, glaubt Wrembek. Denn »Gott will retten, was verloren ist«.

Sehr selten war bisher zu lesen, was das im Letzten wirklich heißt. Wrembek macht es sichtbar und schreibt darüber so verständlich, dass es einem das Herz wärmt und die Medit

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