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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2018
Geld sauber anlegen
Wie es geht. Was es bringt. Worauf man achten muss
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Kinder bitte draußen bleiben

Ich gehe gerne essen. Ungern nehme ich dabei meine Kinder mit, Autobahnraststätten ausgenommen. Alles, was ich am Essengehen liebe, wäre sogar mit Kindern, die erfolgreich einen Benimmkurs absolviert haben, unmöglich. Tiefgründige Gespräche mit Freunden (also ungestört eine zweistellige Anzahl von Sätzen formulieren). Bewusstes Genießen eines komplizierten Gerichts. Ein Glas Wein trinken, und danach vielleicht noch eins. Den Abend ausklingen lassen, idealerweise bei einem lauen Sommerwind. Irgendwann sagen: »Ach, bringen Sie uns doch noch mal die Dessertkarte!«

Bis auf die Dessertkarte haben meine Kinder völlig andere Vorstellungen von einem gelungenen Abend. Oder einem gelungenen Nachmittag, denn für ein Café gilt das Gleiche: Die Stühle sind filigran und kippelig. Der Schokokuchen ist aus, und die eigentlich unmissverständliche Bestellung »Einmal trockene Nudeln bitte« hat desaströse Folgen. Kellner: »Ich dachte, mit ein bisschen Petersilie schmeckt’s dann doch besser.« Kind: »Maaaamaaaa, das Grüne ist eklig, das esse ich nicht!«

Deshalb kann ich den Gastronomen auf der Insel Rügen verstehen, der sein Lokal »Omas Küche und Quartier« ab 17 Uhr zur Erwachsenenzone erklärt hat. Auch wenn das unsympathisch klingt. Vor allem, weil der Mann in Interviews verkündete, nicht die Kinder seien das Problem, sondern die Eltern, die sie nicht zu erziehen vermochten. Ich halte diese These für Quatsch. Und fremde Kindern stören mich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich atme innerlich auf, wenn auch Oskar-Malte am Nebentisch mal ein Glas zerdeppert.

Ich glaube aber, dass nicht jeder Mensch an jedem Ort perfekt aufgehoben ist. Mit unseren Kindern kochen wir gerne, wir grillen mit Freunden im Garten, balancieren durchweichte Pommestütchen über Straßenfeste, picknicken im Park und schmieren Leberwurstbrote für eine beliebige Anzahl an Besuchskindern. (Und schnippeln Bioäpfel, keine Sorge.)

Ins Restaurant oder Café allerdings nehme ich sie nicht mehr mit, sobald sie dem Tragetuch entwachsen sind. Ich weiß nicht, ob Kinder heute schlechter erzogen sind als früher. Ich weiß nur, dass die Menschen in meiner Kindheit nur selten essen gingen. Vielleicht wenn Oma Geburtstag hatte oder es Zeugnisse gab. In Cafés gingen Schüler, Studierende und Rentner. Familien besuchten sich gegenseitig; das fragwürdige Benehmen der Brut ertrug man tapfer gemeinsam, um hi

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