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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2018
Geld sauber anlegen
Wie es geht. Was es bringt. Worauf man achten muss
Der Inhalt:

Das Leib- und Seele-Gespräch: »Der Mount Everest liegt in uns drin«

Ohne Abgründe wäre das Leben flach, sagt Andy Holzer. Der Bergsteiger ist von Geburt an blind und hat dennoch die höchsten Gipfel der Erde bestiegen

Publik-Forum: Herr Holzer, Sie haben die sieben höchsten Berge der Welt bestiegen – und sind von Geburt an blind. Was treibt Sie auf die Gipfel?

Andy Holzer: Der Berg weiß nicht, wer ich bin oder wie ich heiße. Ob blind oder sehend, Männchen oder Weibchen, mit einem oder zwei Beinen – er gibt mir eine klare Antwort auf mein Handeln. Es gibt in der westlichen Gesellschaft ja beinah keinen unbestechlichen Prüfstein mehr, die Menschen schon gar nicht. Die Natur aber bleibt eine objektive Referenz: Wenn ich bei falschen Wetterverhältnissen in die falsche Route einsteige, werden wir Schiffbruch erleiden. Wenn ich meine Komponenten aber richtig zusammenstelle, erreichen wir den Gipfel. Die Natur ist unbeeinflussbar. Das finde ich so spannend.

Andere klettern da hoch, um die grandiose Aussicht zu erleben ...

Holzer: Bergsteiger, die 200-mal im Jahr auf einem Gipfel stehen, machen das nicht wegen der Aussicht. Das Panorama ist für den Sonntagsbergsteiger nicht abzuwerten, aber bei einem Profi macht das einen Bruchteil seiner Motivation aus. Da gibt es vielleicht einen Moment, wo er sich umdreht und sagt: »Wow, das sieht toll aus!«, aber im nächsten Moment konzentriert er sich schon auf die nächste Stelle beim Klettern.

Schmerzt es Sie, dass Sie das dort oben nicht sehen können?

Holzer: Im Mai 2017 stand ich als zweiter blinder Mensch der Welt auf dem Mount Everest. Auf dem Gipfel fragte ich meinen Kletterpartner, was er denn hier sieht, am höchsten Punkt der Erde. Er sagte, dass es eigentlich nicht viel anders ausschaut als bei uns zu Hause. Wenn man e