Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

Nachgefragt: Woher der Hass gegen Obdachlose?

von Bettina Röder vom 10.08.2018
Fragen an den Experten und Theologen Hans-Georg Filker

Publik-Forum: Herr Filker, zwei Obdachlose wurden jetzt in Berlin mit Benzin übergossen und angezündet. Ein Täter ist gefasst, das Entsetzen bleibt. Woher kommt der Hass gegen Obdachlose?

Hans-Georg Filker: Die Frage, glaube ich, greift zu kurz. Wir haben leider zunehmend spontane Gewalt in unserem Land, und sie trifft nicht nur die Obdachlosen.

Was aber sind die Gründe, dass Menschen sich Obdachlosen gegenüber so verhalten?

Filker: Die sind vielfältig. Manche Täter lassen einfach ihre Wut an jemandem aus, der sie gerade stört. Dahinter steckt oft eine tiefe Angst vor dem eigenen Scheitern. Die wird projiziert auf andere und sucht Opfer.

Woher kommt das?

Filker: Sicher auch durch den Stress, dass man ständig Sorge hat, selbst abzurutschen. In Politik und Gesellschaft werden doch ständig idealisierte Leitbilder in die Welt gesetzt, wo völlig klar ist, dass das außerhalb meiner Möglichkeiten ist. Was bleibt, ist die Angst, als Versager zu gelten.

Was hat das mit der Kriminalität gegen Obdachlose zu tun?

Filker: Aus der Sicht von Menschen, die so gepolt sind, leben Obdachlose auf Kosten anderer. Sie betrachten sie als faul, alkoholkrank. Der eigene Alkoholismus und die eigene Unfähigkeit werden in ihnen gespiegelt und scheinen als Bedrohung.

Was wäre dran nach solchen Taten?

Filker: Die Debatte über eine wirklich tolerante Gesellschaft und damit auch ein Verständnis für andere Lebensformen. Und eine breite, differenzierte Diskussion, wie ich den Obdachlosen helfen kann.

Was könnte das sein?

Filker: Wir brauchen mehr Seelsorge und psychologische Hilfen, um an das zu kommen, was den Lebensmut der Menschen gebrochen hat oder wo es auch konkrete Schuld gibt. Die Frage, warum jemand scheitert, hat psychologische, soziale, auch religiöse Hintergründe. Die werden im Helfersystem zu selten angegangen.

Was könnte Abhilfe schaffen?

Filker: Ich möchte vor allem die konfessionellen Fachhochschulen für Sozialethik ermutigen, den Schatz der eigenen christliche

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen