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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

Nachgefragt: Gerechtigkeit für Rohingya?

Führende Militärs aus Myanmar sind für die Gräueltaten an den muslimischen Rohingya verantwortlich. Was muss nun geschehen? Fragen an Anika Becher von Amnesty

Publik-Forum: Frau Becher, die Meldungen von den rund 700 000 Rohingya, die aus Myanmar vertrieben wurden, sind selten geworden. Die Lage in den Flüchtlingslagern in Bangladesch spitzt sich zu. Worunter leiden die Menschen besonders?

Anika Becher: Da kommt vieles zusammen: Die Menschen wurden vertrieben, viele gefoltert oder vergewaltigt, ihre Angehörigen getötet. Sie sind zutiefst traumatisiert. Auf extrem wenig Platz leben rund eine Million Menschen – achtzig Prozent von ihnen Frauen und Kinder. Teilweise hausen 95 000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Das ist eine höhere Bevölkerungsdichte als in irgendeiner Stadt dieser Welt! Es gibt keine ausreichenden sanitären Anlagen, und die Flüchtlinge dürfen die Lager nicht verlassen. Das bedeutet, die Erwachsenen können nicht arbeiten, die Kinder nicht zur Schule gehen. Ihr Zuhause ist niedergebrannt, die Zukunft völlig ungewiss. Und nun beginnt die Monsunzeit: Den heftigen Niederschlägen sind sie schutzlos ausgeliefert.

Wie kommt das?

Becher: Die Regierung in Bangladesch erlaubt nicht, dass feste Unterkünfte für die Flüchtlinge gebaut werden. Die Vereinten Nationen warnen, dass in den nächsten Wochen 200 000 Menschen von Erdrutschen und Fluten betroffen sein könnten. Fast 30 000 wurden schon umgesiedelt. Die Hilfsorganisationen kommen nicht mehr hinterher, sie erreichen längst nicht alle.

In einem aktuellen Bericht macht Amnesty 13 ranghohe burmesische Generäle für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Bedeutet das, die »ethnische Säuberung« an den Rohingya war von ganz oben geplant?