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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2018
Kennen wir uns?
Jesus, Marx und die Krise des Kapitalismus. Ein Streitgespräch
Der Inhalt:

Danke, Herr Söder!

von Britta Baas vom 11.05.2018
Ist das Kreuz ein Zeichen für bayerische Identität? Oder ein religiöses Symbol? Die Södersche Kreuz-Kampagne zwingt zur Erinnerung: Was ist christlich?

Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat Ende April unter Blitzlichtgewitter ein Kreuz in seiner Staatskanzlei aufgehängt. Er hat dies als »Bekenntnis zur Identität und kulturellen Prägung Bayerns« getan, hat andere aufgefordert, es ihm nachzutun – und dafür reichlich Schelte bekommen. Jedenfalls für kurze Zeit.

Die einen kritisierten Söders Kreuzdekret, das dieses Symbol in staatliche Gebäude Bayerns zurückbringen wird, aus säkularer Perspektive: Wenn er ein Bekenntnis zur demokratischen Verfassung ablegen wolle, solle er Auszüge aus dem Grundgesetz in die Wände der Staatskanzlei meißeln lassen. Die anderen kritisierten den Missbrauch eines religiösen Symbols. Das Christentum lasse sich nicht als bayerische Religion verkaufen; es sei nicht dazu geeignet, einer abgrenzenden Identitätsstärkung zu dienen. »Mia san mia« sei nicht die Haltung des Jesus von Nazareth gewesen. Und so sei das Christentum eben nicht dazu da, geschlossene Grenzen und die Ablehnung von Geflüchteten zu legitimieren. Genau dies aber wolle Herr Söder, so kurz vor den Landtagswahlen, wohl einbläuen.

Der Streit ist leiser geworden, aber nicht entschieden. Wofür also steht das Kreuz?

Es ist das Folterwerkzeug, das Jesus zu Tode brachte. Es ist ein Hoffnungszeichen für Menschen geworden, die im Tod Jesu Hingabe und Liebe sehen, das radikale Aufbegehren gegen die Hoffnungslosigkeit. Ein Hoffnungszeichen, gegeben in einem fernen Land in einer fernen Zeit. Nicht im Abend-, sondern im Morgenland. Nicht in Bayern, sondern in Palästina.

Der Widerstand des ohnmächtigen Jesus gegen die Macht lebt weiter in jenen, die seiner Botschaft auch nach seinem Tod folgen. Die frühen Jahrhunderte des Christentums sind jene, in denen die frühen Erkennungssymbole unter Christen – der Fisch und das Boot – noch lebendig wirken. Doch es sind auch jene Jahre, in denen das Kreuz sich in den Vordergrund zu schieben beginnt. Nicht zuletzt ist es der weltläufig agierende Paulus, der seine ganze Theologie am Kreuz ausrichtet und sie in verschiedene Welten inkulturiert. Begeistert wird sie vor allem von jenen aufgenommen, die keine Bürgerrechte genießen, qua Geschlecht oder Herkunft marginalisiert werden: von Sklaven, Frauen, Fremden. Das Christentum spricht ihnen Würde zu. Und das Kreuz erinnert sie daran, dass diese Würde auch dann nicht vergeht,

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