Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

»Ich habe Hoffnung«

von Michael Schrom vom 12.05.2017
Ein Gespräch mit dem koptischen Bischof Anba Damian über den Papstbesuch in Ägypten und die Situation der Christen dort

Publik-Forum: Herr Bischof, Sie kommen gerade von einem Treffen mit dem koptischen Papst Tawadros II. Wie bewertet er den Besuch von Franziskus in Kairo?

Anba Damian: Papst Tawadros II. ist begeistert von Seiner Heiligkeit Papst Franziskus. Er hält ihn für einen heiligmäßigen Mann – und er möchte alles dafür tun, dass die noch vorhandenen theologischen Barrieren – etwa die gegenseitige Anerkennung der Taufe – zwischen der koptischen und der katholischen Kirche beseitigt werden. Ein entsprechendes Dokument wurde von beiden Päpsten verabschiedet. Natürlich kann Papst Tawadros dies nicht alleine anordnen, sondern ist auf die Meinung der Heiligen koptischen Synode angewiesen. Und wir möchten einen Konsens in der Familie der altorientalischen Kirchen.

Wie wichtig war der Besuch für die koptischen Christen?

Damian: Er war nicht nur für die Christen wichtig, sondern für das ganze Land. Es wurde deutlich, dass Ägypten eine jahrtausendealte christliche Geschichte hat, dass die Christen keine Fremdkörper im Land sind, sondern die Urbewohner. Tröstend und bewegend war das ökumenische Gebet in der St.-Peter-und-Pauls-Kirche, in der beim Bombenanschlag 29 Menschen ermordet wurden. Daran haben viele Kirchenführer teilgenommen. Ihre Botschaft an die Kopten war: Ihr seid nicht allein. Eure Schmerzen sind auch unsere Schmerzen.

Sie haben lange vor den Anschlägen auf die mangelnde Sicherheit für Christen hingewiesen. Dennoch steht die Mehrheit der Kopten hinter Machthaber Al Sisi. Warum?

Damian: Was sind die Alternativen? Wenn man sich erinnert, wie abfällig sein Vorgänger über Papst Tawadros geredet hat, muss man Al Sisi zugute halten: Er hört zu, redet mit Respekt, sieht die Probleme des Islamismus. Er ist kein Fachmann für Religion, aber er appelliert immer wieder an die sunnitischen Geistlichen, Reformen einzuleiten. Natürlich sehen wir die krankhafte politische Struktur. Aber wir glauben und wollen daran glauben, dass Al Sisi die Situation im Land verbessert. Ein islamistischer Staat wäre für uns eine Tragödie.

Täuscht uns der Eindruck, dass das Zusammenleben von Christen und Muslimen vor der Arabellion unkomplizierter war?

Damian:

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen