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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2024
Der Inhalt:
Leben & Kultur

Ausstellung
Picknick mit Schwein

Der Künstler Hartmut Kiewert malt, wie Zusammenleben sein könnte, wenn es keine Ausbeutung mehr gäbe.
von Anne Strotmann vom 09.04.2024
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Gemeinsam abhängen: In Hartmut Kiewerts Gemälden erfreuen sich nicht nur die spielenden Menschenkinder am bloßen Sein. (Abbildung: Hartmut Kiewert »Strand IV«, 2023)
Gemeinsam abhängen: In Hartmut Kiewerts Gemälden erfreuen sich nicht nur die spielenden Menschenkinder am bloßen Sein. (Abbildung: Hartmut Kiewert »Strand IV«, 2023)

Ausstellung. Wenn schlaue Menschen von »Gesellschaft« reden, meinen sie damit fast immer das Zusammenleben mit Angehörigen ihrer eigenen Spezies. Der Künstler Hartmut Kiewert denkt weiter: Für ihn gehören die Milliarden Tiere auf den Weiden und in den Ställen, in den Schlachthäusern und Wohnzimmern ebenso dazu. Er entwirft in seinen Gemälden Zukunftsvisionen, in denen alle gleichberechtigt zusammenleben – und das speziesübergreifend. Spielende Kinder und gelassene Erwachsene chillen mit Kühen, Schafen, Schweinen, Hühnern am Strand, auf der Straße, im Einkaufszentrum.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 07/2024 vom 12.04.2024, Seite 54
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Hinter der Idylle steckt eine tiefe Kritik an Herrschaftsstrukturen. Wer diese friedlichen und harmonischen Bilder näher betrachtet, sieht noch die Relikte unserer kapitalistischen, zerstörerischen Ordnung hindurchschimmern: Alte Verkehrsmarkierungen sind zugeschüttet oder von Pflanzen überwuchert, der Beton ist rissig, die Autobahnen sind unbefahrbar, die Straßen zurückerobert. Die Tierfabriken von Tönnies, Wiesenhof, Westfleisch und Müller liegen in Trümmern. Denn die willkürliche Kategorie »Nutztiere« gibt es nicht mehr und auch die Menschen müssen nicht mehr nutzen. Stattdessen ruhen alle zusammen im Schatten. Niemand herrscht mehr über den anderen. Die Vision vom Ende aller Ausbeutung ist Wirklichkeit geworden. Kiewert glaubt daran, dass das keine Utopie ist, sondern durchaus möglich. Das Paradies – es liegt an uns Menschen.

Nur konsequent ist es, dass Kiewert ausschließlich mit Farben ohne tierische Zusätze malt und auch sein neuer Katalog »Multispecies Futures*« vegan zertifiziert ist. Die Tiere in seinen Bildern hat er auf Lebenshöfen porträtiert, wo Tiere weder geschlachtet noch anderweitig genutzt werden. So steckt hinter jedem Tier in seinen Bildern ein Name und eine Persönlichkeit. In der Zitadelle in Berlin kann man in einer umfangreichen Ausstellung in diese – teils lebensgroßen – Bilder eintauchen.

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