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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Ikone

von Wolfgang Kessler vom 13.04.2018
Das weibliche Idol der Protest- und Friedensbewegung der 1970er- und 1980er-Jahre gibt seine Abschiedstournee: Joan Baez

Sie hat mich jahrzehntelang begleitet und jetzt steht die Ikone der Folkmusik leibhaftig vor mir auf der Bühne: Joan Baez, weiße Bluse, schwarze Jeans, die Haare nicht mehr lang und schwarz, sondern weiß und kurz. Sie ist 77 Jahre alt.

Doch das beeinträchtigt ihre Ausstrahlung nicht, im Gegenteil. Joan Baez ist leiser geworden, getragener – aber den einzigen Stempeln, die sie sich widerstandslos von Medien und Fans aufdrücken lässt, macht sie weiterhin alle Ehre: Mensch, Pazifistin, Folksängerin. Schon das zweite Lied widmet sie den »mutigen Menschen«, die gerade in ihrer Heimat gegen die Waffenlobby kämpfen.

Da steht sie also, das erste weibliche Idol der Protestbewegung der 1970er- und 1980er-Jahre. Ihre Interpretation des alten Folksongs »We Shall Overcome« wurde zur Hymne einer friedlichen Protestkultur gegen eine gewalttätige, kriegslüsterne Welt. Ihren – damals – glockenhellen Gesang hörte man auf vielen Partys dieser Zeit, wenn es nach Mitternacht etwas ruhiger wurde.

Doch Joan Baez blieb ihrem radikalen Pazifismus auch treu, als in den 1990er-Jahren militärische Interventionen zunehmend hoffähig wurden. Im April 1993 besuchte sie in kugelsicherer Weste das vom Bürgerkrieg zerstörte Sarajevo und sang in der Fußgängerzone »Amazing Grace«. Es ist wohl das Lied ihres Lebens. Und deshalb kein Zufall, dass sich auf ihrer ganz neuen CD das Lied findet: »The President Sang Amazing Grace.« In Erinnerung an Barack Obama, der dieses Lied bei der Trauerfeier für die Opfer des brutalen Attentats auf eine Kirche in Charleston angestimmt hatte.

Fast fünfzehn Jahre war es still geworden um Joan Baez. Sie hatte auch mit den Schattenseiten ihres Lebens zu kämpfen: zum Beispiel mit der Tatsache, »dass mir keine Beziehung wirklich gelungen ist«. Auch der Tod ihrer Schwester 2001 hat ihr zugesetzt. Und nicht zuletzt litt sie darunter, dass sie vor Jahren ihre Stimme verlor und nur langsam wiederfand, um eine Oktave gealtert. So holt sie jetzt für die glockenhellen Töne eine junge Sängerin auf die Bühne. Und sie verschweigt auch nicht, wie schockiert sie noch immer über die Wahl Donald Trumps ist.

Die Sängerin hat an sich gearbeitet, mit Hilfe eines Therapeuten, hat ihre verbliebene Familie – Mutter (bis zu deren Tod), Sohn, Schwiegertochter, Enkelin – zu sich nach Kalifornien geholt. Und dort ein Baumhaus gebaut, in dem

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