Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

vorgespräch: Was wissen Maschinen von Moral?

von Lorenz Klumpp vom 11.03.2016
Fragen an Veronika Drews-Galle zur Tagung »Wenn Maschinen für Menschen entscheiden« in Loccum

Publik-Forum: Frau Drews-Galle, der Titel Ihrer Tagung lautet »Wenn Maschinen für Menschen entscheiden«. Sind wir denn schon so weit?

Veronika Drews-Galle: Ich denke, die Technik nimmt uns schon mehr Entscheidungen ab, als wir bewusst wahrnehmen, denken Sie nur an die Algorithmen von Suchmaschinen. Die technischen Systeme haben eine immer größere Lernfähigkeit, sie häufen Wissen an und verarbeiten es weiter. Dennoch sind sie zu einem autonomen Handeln noch nicht in der Lage.

Woran wird das deutlich?

Drews-Galle: Nehmen wir das Beispiel Roboter-Fußball: Hier müssen Roboter nicht nur wie Schachcomputer strategische Züge denken, sondern diese auch motorisch und angesichts der Unsicherheit des Verhaltens anderer umsetzen. Da wird klar, wie weit die Technik noch von menschlichen Fähigkeiten weg ist.

Was wird auf der Tagung noch besprochen?

Drews-Galle: Es geht um die Frage, was intelligente Technik entscheiden kann und darf und wie das Zusammenspiel mit ihr menschliches Handeln beeinflusst, zum Beispiel in der Medizin- und Militärtechnik. Kann man moralische Urteilskraft nachbauen? Wie soll ein selbstfahrendes Auto in einer Gefahrenlage entscheiden? Darf eine Maschine über den Tod eines Menschen entscheiden?

Muss man das denn so negativ sehen? Sind selbstfahrende Autos nicht total praktisch?

Drews-Galle: Klar, intelligente Technik kann unser Leben enorm bereichern. Gerade in der Medizin merken wir, wie groß die Fortschritte sind. Aber die zentrale Frage ist: Was macht das mit uns als Menschen? Wollen wir Maschinen moralische Urteile zutrauen? Wenn Entscheidungen zwischen Mensch und Maschine nicht mehr klar zurechenbar sind, müssen wir uns als Menschen in unserer Angewiesenheit neu denken.

Was hat das alles mit Gott zu tun?

Drews-Galle: Als Theologen betrachten wir die Entwicklungen aus der Perspektive der christlichen Anthropologie. Wir sehen die Einzigartigkeit des Menschen und stellen gleichzeitig fest, dass sein Handeln immer mehr systemgebunden ist. Technik wird zum gleichberechtigten Partner. Der Mensch ist dann nicht mehr nur soziales Wesen, sondern steht auch in Beziehung zu einer Technik, die er z

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen