Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Montagabends demonstrieren wir«

Die Lehrerin Anne Wolf engagiert sich seit September jede Woche bei Kundgebungen gegen rechts

Als im September vergangenen Jahres hier in Greifswald die erste Pegida-Demonstration stattfand, gingen etwa hundert Bürger dagegen auf die Straße, unter ihnen waren mein Mann und ich.

Als klar wurde, dass die Rechten von nun an jeden Montag demonstrieren würden, vor allem gegen die Flüchtlingspolitik, fanden wir uns mit vielen Menschen im Bündnis »Greifswald für alle« zusammen. Wir beschlossen, als Protest gegen die Rechten ebenfalls regelmäßig auf die Straße zu gehen. Unser Gedanke dabei war von Anfang an: »Den Nazis wollen wir nicht unsere Straßen und Plätze überlassen.«

Bei dem hiesigen Pegida-Ableger, er nennt sich »Frieden, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit«, laufen stadtbekannte Nazis vorne mit, aber auch viele selbst ernannte »besorgte Bürger«. So wie sie jede Woche in einem anderen Stadtteil demonstrieren, tun wir das auch. Es gab diese fürchterlichen Mon tage, an denen bis zu zweihundert Rechte durch die Plattenbauviertel liefen. Dort bekamen sie noch Zulauf. Bei uns war der Posaunenchor einer Kirchengemeinde und ein stadtbekannter Musiker mit Band: Wir hatten Musik, Kaffee und Licht. Für uns ist es leichter, in der Innenstadt Menschen zu gewinnen; auf dem Marktplatz kommen mindestens 300 Leute zu den Mahnwachen.

Ich bin Lehrerin an der Greifswalder Waldorfschule, auch meine Schülerinnen und Schüler kommen zu den Demos. Einmal bat mich eine Schülerin zum Mikro: »Frau Wolf, wollen Sie nicht auch mal was sagen?« Seitdem spreche ich regelmäßig auf den Veranstaltungen. Meine Schülerinnen und Schüler wissen, wofür ich stehe. Ich merke, dass es für sie wichtig ist zu sehen, dass ihre Lehrerin nicht nur redet, sondern auch für das eintri