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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Montagabends demonstrieren wir«

von Anke Lübbert vom 11.03.2016
Die Lehrerin Anne Wolf engagiert sich seit September jede Woche bei Kundgebungen gegen rechts

Als im September vergangenen Jahres hier in Greifswald die erste Pegida-Demonstration stattfand, gingen etwa hundert Bürger dagegen auf die Straße, unter ihnen waren mein Mann und ich.

Als klar wurde, dass die Rechten von nun an jeden Montag demonstrieren würden, vor allem gegen die Flüchtlingspolitik, fanden wir uns mit vielen Menschen im Bündnis »Greifswald für alle« zusammen. Wir beschlossen, als Protest gegen die Rechten ebenfalls regelmäßig auf die Straße zu gehen. Unser Gedanke dabei war von Anfang an: »Den Nazis wollen wir nicht unsere Straßen und Plätze überlassen.«

Bei dem hiesigen Pegida-Ableger, er nennt sich »Frieden, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit«, laufen stadtbekannte Nazis vorne mit, aber auch viele selbst ernannte »besorgte Bürger«. So wie sie jede Woche in einem anderen Stadtteil demonstrieren, tun wir das auch. Es gab diese fürchterlichen Mon tage, an denen bis zu zweihundert Rechte durch die Plattenbauviertel liefen. Dort bekamen sie noch Zulauf. Bei uns war der Posaunenchor einer Kirchengemeinde und ein stadtbekannter Musiker mit Band: Wir hatten Musik, Kaffee und Licht. Für uns ist es leichter, in der Innenstadt Menschen zu gewinnen; auf dem Marktplatz kommen mindestens 300 Leute zu den Mahnwachen.

Ich bin Lehrerin an der Greifswalder Waldorfschule, auch meine Schülerinnen und Schüler kommen zu den Demos. Einmal bat mich eine Schülerin zum Mikro: »Frau Wolf, wollen Sie nicht auch mal was sagen?« Seitdem spreche ich regelmäßig auf den Veranstaltungen. Meine Schülerinnen und Schüler wissen, wofür ich stehe. Ich merke, dass es für sie wichtig ist zu sehen, dass ihre Lehrerin nicht nur redet, sondern auch für das eintritt, von dem sie spricht.

Auf unseren Veranstaltungen haben Menschen das Wort ergriffen, deren Haltung in der Gesellschaft Gewicht hat: der Oberbürgermeister, der Intendant des Theaters Vorpommern, Pastoren, der Leiter der Bundesagentur für Arbeit. Wir haben auch Informationsveranstaltungen angeboten, um Leute zu erreichen, die vor den vielen Flüchtlingen Angst haben.

Mein Mann und ich engagieren uns gemeinsam. Er ist schon länger im Visier der Neonazis und wird regelmäßig im Internet beschimpft. Was wir Montagabend machen, steht fest; dazu kommt noch unser Engagement in der Gruppe »Willkommen in Greifswald« und die

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