Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

»Das macht uns kaputt«

Das Diktat des Wirtschaftswachstums bedroht die Welt. Davon ist die evangelische Initiative »anders wachsen« überzeugt. Wie auch davon, dass dies Christen besonders herausfordert

Ich erlebe immer mehr Menschen, die ausbrennen«, sagt Walter Lechner, der aus Österreich stammt und heute als evangelischer Pfarrer im sächsischen Frauenhain sitzt. Da wären zum Beispiel die Taufeltern. Die junge Mutter würde gern die ersten Monate nach der Geburt ihres Kindes daheim bleiben. Doch das geht nicht. »Wir müssen beide arbeiten«, sagen sie, »sonst fallen wir unter den Sozialhilfesatz und fliegen aus unserer Wohnung.«

Fromme Menschen, weiß der Pfarrer, der dreifacher Familienvater ist, bitten ihn um Absolution, weil sie sonntags regelmäßig arbeiten müssen. Familienväter sagen ihm: »Entweder ich arbeite sechzig Stunden oder ich kann gleich gehen.« Das ist die Normalität. Auf den Dörfern funktioniere nichts mehr, wenn nicht die Großeltern wesentliche Teile der Familienerziehung übernehmen. Nach Idylle und der ersehnten Großfamilie klingt das nicht. Im Gegenteil. »Ich bin umgeben von Menschen, die sagen, wir schaffen es nicht mehr«, sagt Lechner. Für ihn steht fest: Immer weniger müssen immer mehr und schneller leisten. Das macht sie kaputt.

Sie können nicht Schritt halten, werden zerrieben. Das betrifft auch kleine Wirtschaftsbetriebe. Nur die Großen können noch mithalten. Und doch: Wenn er in den Gruppen in seiner Gemeinde arbeitet und fragt, in welchem Bereich sie gerne mehr hätten, dann sagen die Menschen, die nicht viel haben, nicht, sie wollten mehr Geld. Sie sagen: »Wir wollen mehr Zeit in unseren Familien haben.«

Der Theologe nennt das den »Wahnsinn des freien Marktes, der zum Wert an sich geworden ist«. Damit, das steht für ihn fest, »stoßen wir an die Decke«. Dass der freie Markt über allen Werten steht, widerspreche dem Glauben. Wirtschaft habe dem Leben zu