Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Wohin denn noch?

von Angelika Zahrnt vom 08.03.2013
Der Abschied vom Wachstum wird oft gefordert. Doch Politik, Wirtschaft und viele Verbraucher setzen weiter auf das »Immer mehr«. Obwohl es Alternativen gibt

Einkaufen nur im Secondhandshop oder Leben ohne Auto und Plastik: Die individuellen Versuche, einen ökologisch und sozial verantwortbaren Lebensstil zu finden, sind vielfältig. Diese Selbstversuche mit ihren Klippen und Konflikten – erst recht, wenn die gesamte Familie mitziehen soll – sind inzwischen auch literarisch dokumentiert, wahlweise ernsthaft reflektierend oder lustvoll karikierend. Es gibt reihenweise Ratgeber mit Tipps, wie man umweltfreundlich wohnen, kochen und reisen kann und wie man sich im Dschungel der öko-fairen Siegel zurechtfindet. Es gibt auch weitergehende Überlegungen, wie man mit weniger gut leben kann und dass ein Leben mit weniger Gütern an Erfahrungen reicher sein kann. Dies bestätigt auch die neuere Glücksforschung. So weit, so positiv.

Aber der Blick in Fußgängerzonen und Shoppingmalls zeigt ebenso wie die Statistiken über Konsum und Ressourcenverbrauch das ernüchternde Resultat: All die individuellen Ansätze berühren die Konsumgesellschaft nicht wesentlich und bewirken nur geringe ökologische Entlastungen. Gegen den (Konsum-)Strom schwimmen kann beleben, aber auf Dauer kann es anstrengen – und die Erfahrungen zeigen, dass daraus kein Massensport entsteht.

Individuelle Strategien, den eigenen Ressourcenverbrauch durch Verzicht, bewusstes Einkaufen oder Entschleunigung zu senken – die sogenannte Suffizienzstrategien –, reichen nicht aus, um eine breite gesellschaftliche Veränderung gegen die vorherrschende Konsumorientierung voranzubringen. Ohne politische Anreize und Rahmenbedingungen wird der Abschied vom Fetisch Wachstum nicht gelingen.

In der Politik scheiden sich beim Thema Wachstum die Geister. Die einen setzen angesichts der Wirtschaftskrise auf möglichst hohe Zuwachsraten, als hätte es die Klimadiskussion und die Debatte über knappe endliche Ressourcen nie gegeben. Angesichts der ökologischen Grenzen ist es jedoch unvorstellbar, dass der reiche Norden weiter so wirtschaftet und weiter so wächst wie bisher und die Menschen im Süden ebendiese Wirtschaftsweise übernehmen.

Im wachstumskritischen Teil der Politik dominiert die Vorstellung, dass eine nachhaltige Entwicklung vor allem durch eine grüne Wirtschaft erreicht werden kann: durch eine Umstellung der Energiebasis von fossilen auf erneuerbare Energien, durch eine Umorientierung der Ressourcenbasis von fossilen und mineralischen zu pflanzlichen Rohstoff

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen