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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Bereichert im Fremden

von Friedrich Hauschildt vom 04.05.2012
Das Apostolische Glaubensbekenntnis mutet mir zu, meine eigene Perspektive erst einmal zurückzunehmen. Für uns Lutheraner ist das ein wichtiger Aspekt

Wenn im sonntäglichen Gottesdienst regelmäßig das Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen wird, bin ich – so muss ich gestehen – nicht immer wirklich von Anfang bis Ende »bei der Sache«. Aber nicht selten spricht mich wenigstens ein Gedanke besonders an: Ich habe in der letzten Woche viel Streit und Uneinigkeit erlebt, da rüttelt mich die Wendung »Gemeinschaft der Heiligen« auf. Oder mich hat in der letzten Woche eine Katastrophe mit vielen Toten sehr angerührt, da empfinde ich die Wendung »hinabgestiegen in das Reich des Todes« als tröstend.

Ja, die Wendung »geboren von der Jungfrau Maria« ist auch für mich ein »Stolperstein«; aber dieser Stolperstein verweist mich in aller Anstößigkeit darauf, dass ich weder an ein vergangenes noch an ein heutiges Weltbild glaube, sondern vor dem Geheimnis stehe, dass Jesus von Nazareth ein Mensch war, von einer Frau geboren, und zugleich sich aus seinem Menschsein allein nicht ableiten lässt, was er mir bedeutet.

So tut es mir gut, immer wieder sonntäglich in den Raum dieses Bekenntnisses einzutauchen. Formulierungen, die an ein vergangenes Weltbild erinnern, stören mich weniger. Auch wenn wir ein »moderneres« Glaubensbekenntnis hätten, müsste ich darauf achten, dass mein Vertrauen sich nicht auf dessen zeitgemäßes Gewand, sondern auf seinen Inhalt richtet. Wir haben den Schatz des Glaubens nur in irdenen Gefäßen.

Wenn man über den Gebrauch des Apostolischen Glaubensbekenntnisses im Gottesdienst nachdenkt, tut man gut daran, sich klarzumachen, dass es sehr unterschiedliche Ausprägungen von Bekenntnis gibt.

Eine erste Form von Bekenntnis besteht darin, dass Menschen in konkreten Lebenssituationen dazu stehen, Christ zu sein, die christliche Deutung, wie sie sie verstehen, offen und aktuell aussprechen und in ihrem Handeln zur Geltung bringen. Diese Art von Bekenntnis hat naturgemäß ein individuelles, konkretes und deshalb vielfältiges Gepräge. Hier spielt der Aspekt der Authentizität eine große Rolle. Natürlich können sich auch mehrere Menschen zu einem solchen aktuellen Bekennen zusammentun. In diesem Fall ist der konkrete Anlass dominierend, der Aspekt des Individuellen tritt zugunsten des Gemeinschaftlichen zurück.

Eine zweite, davon unterschiedene Form des Bekenntnisses stellt es dar, wenn Christen in einer gottesdienstlichen Versammlung weniger auf eine konk

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