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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

»Mein Baby und meine Berufung«

von Annette Lübbers vom 23.02.2018
Anja Gehlken engagiert sich im Verein Schaki für Familien mit Kindern, die einen Schlaganfall erlitten haben

Als unsere Tochter Isabel im Jahr 2000 geboren wurde, schien alles mit ihr in Ordnung zu sein. In der Krabbelgruppe fiel mir dann auf, dass sie motorisch hinter den anderen Kindern zurückblieb und dass sie ihre rechte Seite hartnäckig ignorierte. Ich ging mit ihr zur Frühförderung zum Kinderarzt. Bei einer Untersuchung im Kernspintomografen wurde dann festgestellt, dass Isabel eine Narbe im Gehirn hat. Ursache unbekannt. Im Alter von knapp drei Jahren wurde dann klar, dass sie eine Halbseitenlähmung hat. Ich ging mit meinem Kind von einem Arzt zum anderen, aber erst acht Jahre später wurde klar diagnostiziert: Meine Tochter hatte einen Schlaganfall. Wann genau? Das konnte mir keiner sagen. Wahrscheinlich irgendwann um die Geburt.

Tatsächlich erleiden jedes Jahr 300 bis 400 Kinder einen Schlaganfall – etwa ein Drittel von ihnen schon als Baby. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich groß. Kaum ein Kinderarzt kennt sich mit dem Thema aus.

Heute steht meine Tochter kurz vor dem Abitur – und ich setze mich als Vorsitzende des Vereins Schaki dafür ein, dass Eltern nicht mehr allein damit sind, wenn ihr Kind eine solche Diagnose erhält.

Zur damaligen Selbsthilfegruppe Schaki sind mein Mann und ich im Jahr 2008 dazugestoßen. Ein betroffener Vater hatte sie drei Jahre zuvor gegründet. 2012 habe ich die Gruppe übernommen und 2015 einen Verein daraus gemacht. Hundert betroffene Familien sind bei uns Mitglied, der Vorstand organisiert Treffen, sammelt Spenden und stellt Info-Material her. Das legen wir beispielsweise in Krankenhäusern aus. Als vor einigen Jahren eine Elfjährige in ihrer Schule in Minden ohnmächtig wurde und im Krankenhaus die Diagnose Schlaganfall erhielt, fand der Vater dort unsere Flyer. Das sind die Momente, in denen ich merke, dass mein und unser Engagement wirklich wichtig ist.

Gerade versuchen wir, den Verein breiter aufzustellen. Künftig soll es in allen Bundesländern Elterngruppen geben. Und wir bereiten einen Familienkongress vor. Fast täglich stehe ich in Kontakt mit Eltern, berate und informiere. Immer im Fokus: der Kampf mit den Krankenkassen um die Bezahlung hilfreicher Therapien. Da muss noch viel getan werden. Jetzt, da meine eigenen Kinder auf einem guten Weg sind, ist der Verein mein Baby und meine Berufung. Meine Tochter hilft bei unseren Veranstaltungen in der Kinderbetreuung. Das fi

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