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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

»Man gönnt den Frauen die Freiheit nicht«

von Britta Baas vom 26.02.2016
Die Publizistin Sineb El Masrar will die Emanzipation der Musliminnen. Deren Feinde sieht sie in den islamischen Verbänden. Doch die sind in Deutschland angesehen und mächtig. Ein Gespräch über das Patriarchat und die Frauen

Publik-Forum: Frau El Masrar, Sie haben ein Buch über die Emanzipation im Islam geschrieben und es »eine Abrechnung mit ihren Feinden« genannt. War das denn nötig?

Sineb El Masrar: Angesichts der Tatsache, dass viele Musliminnen, die nicht das traditionelle Rollenmodell leben wollen, zwischen allen Stühlen sitzen: Ja! Zum Rassismus der Mehrheitsgesellschaft gesellt sich nun die Diskriminierung von andersdenkenden Muslimas. Zum Beispiel gibt es kopftuchtragende Studentinnen, die nichtkopftuchtragende Studentinnen mobben.

Frauen wenden sich gegen Frauen?

El Masrar: Der Kampf um weibliche Lebenskonzepte ist im Islam voll entbrannt. In Deutschland wird diese Auseinandersetzung offensichtlich. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Es geht mir darum, wie selbstbestimmt Musliminnen heute leben können. Und wer verhindert, dass sie es tun.

Kann man am »Konzept Religion« als emanzipierte Frau festhalten? Halten Sie daran fest?

El Masrar: Ja, das tue ich. Die spirituelle Seite des Islams spricht mich sehr an und stellt keinen Widerspruch zu meinem Leben als emanzipierte Frau dar. Schwieriger ist es mit dem Konstrukt der Gesinnungswächter, mit dem wir uns heute in vielen muslimischen Ländern konfrontiert sehen und das auch hierzulande existiert. Es ist eines, das maßgeblich von Männern beeinflusst wurde. Es gibt religiöse Traditionen, über die man dringend neu nachdenken muss. Dazu gehören alle Formen der religiös begründeten Unterordnung der Frau unter den Mann. Es waren leider von Anfang an vor allem Männer, die den Koran und die Prophetentradition auslegten und in gesellschaftliche Normen übersetzten. An den Folgen tragen wir bis heute.

Warum konnte sich die Deutungshoheit, die Männer über die religiösen Quellen beanspruchten, halten?

El Masrar: Frauen waren schon immer gut beschäftigt. Sie gebären Kinder, sie ziehen sie auf, sie kümmern sich um den Haushalt. Bis heute sind es meistens die Frauen, die konkrete Fürsorgearbeit leisten. Damit haben sie oft keinen ausreichenden Freiraum, um mit Männern zu konkurrieren. Dieses Konkurrieren wäre aber nötig. Wenn Frauen in die traditionellen Rollenmuster gedrängt werden, ändert sich nichts. Sie müssen sich selbst daraus befreien

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