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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

Die Spur von Franziskus

Der Papst an den Orten maximaler Gewalt und Hoffnungslosigkeit in Mexiko: Keine Vertröstung, sondern Aufstand gegen die Kräfte des Todes

Papst Franziskus hat bei seiner Reise durch Mexiko, das der Zahl nach zweitgrößte »katholische« Land, den Finger auf gravierende gesellschaftliche Wunden gelegt. Er suchte die Orte maximaler Gewalt, maximaler Einschüchterung und Verzweiflung auf. Franziskus redete der politischen Klasse öffentlich ins Gewissen. Der von den Volksmassen umjubelte große Kommunikator Franziskus, ein Latino aus Rom, ließ sich nicht von Nettigkeiten der Mächtigen oder vom Protokoll beirren. Das schreiende Elend der Migranten, die Diskriminierung der indigenen Minderheit war genauso sein Thema wie Gewalt gegen Frauen und der Terror der Kartelle. Offen bleibt, ob sein Weckruf von der Zivilgesellschaft aufgegriffen wird.

Vor der Kathedrale von San Cristóbal de las Casas tief im Süden Mexikos hat die Dorfgemeinschaft von Shulvó eine kleine Zeltstadt aufgebaut. Auf einem weißen Pick-up klebt ein Plakat. Es geißelt den Bürgermeister der Gemeinde Zinacantán als brutalen Paramilitär. »Manuel Martínez hat mein Haus niederbrennen lassen und mich und mehrere Nachbarn von unseren Grundstücken vertrieben. Er bereichert sich mit paramilitärischen Methoden«, klagt Juan Pérez, und hinter ihm nicken mehrere Männer, Frauen und Jugendliche zustimmend. »Wir wollen, dass die Stadtverwaltung und die Kirche uns endlich beistehen«, erklärt der kleine Mann, der für die 46 vertriebenen Bauern des Dorfes im Lakanden-Urwald spricht.

Die Kleinbauern hegen die Hoffnung, dass sich mit der Visite des Papstes für sie etwas ändern wird, denn auf der Agenda von Franziskus steht die Not der Minderheit der Indios ganz oben. Sie führen in Mexiko ein Schattendasein. »Diskriminierung ist weit verbreitet, vorsätzlicher Landraub ein häufiges Thema. Für die indigenen