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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

Nachgefragt: Heilen mit Globuli?

von Barbara Tambour vom 26.02.2016
Ärzte und Naturwissenschaftler haben ein Homöopathie-kritisches Netzwerk gegründet. Was wollen sie erreichen? Fragen an den Arzt Wolfgang Vahle

Publik-Forum: Gemeinsam mit anderen haben Sie das Informationsnetzwerk Homöopathie gegründet. Was haben Sie gegen die Homöopathie?

Wolfgang Vahle: Wir wollen über die Homöopathie informieren, denn wir haben festgestellt, die Leute wenden sie an, haben aber eine völlig falsche Vorstellung davon.

Was ist daran so schlimm?

Vahle: Die Homöopathie ist ein 200 Jahre altes Verfahren, das sämtlichen Naturgesetzen widerspricht. Ihr Begründer Samuel Hahnemann hat ein einziges Experiment an sich selbst gemacht: Er hat Chinarinde eingenommen und Fieber bekommen. Daraus schloss er: Was bei Gesunden ein Krankheitsbild auslöst, hilft Kranken mit diesen Symptomen. Dann hat er geschaut: Welches Arzneimittel verursacht ähnliche Beschwerden? Diese Ähnlichkeiten hat er in Tabellen zusammengestellt, die helfen sollen, eine Krankheitserscheinung einem bestimmten Arzneimittelbild zuzuordnen. Was aber ähnlich ist, entsteht im Kopf. Das ist nicht wissenschaftlich.

Aber viele Menschen berichten von Behandlungserfolgen mit homöopathischen Mitteln.

Vahle: Alle diese Mittel sind sehr stark verdünnt. Ab einer Verdünnung, die mit D23 angegeben wird, ist kein Wirkstoff mehr drin. Und abwesende Wirkstoffe können nicht wirken. Es mag also das gute Gespräch mit dem Homöopathen heilsam sein, der Placeboeffekt oder die Besserung ist spontan eingetreten – an den Globuli liegt es ganz sicher nicht.

Was wollen Sie erreichen?

Vahle: Wir wollen deutlich machen, dass die Homöopathie gefährlich sein kann. Es besteht das Risiko, dass bei ernsthaften Krankheiten wirksame Therapien nicht oder zu spät durchgeführt werden. Kinder lernen etwas ganz Falsches: Bei jedem Wehwehchen gibt es Kügelchen. Das vermittelt ein falsches Körperbild.

Dass ernsthafte Krankheiten zu spät behandelt werden oder dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, das gibt es auch in der Schulmedizin.

Vahle: Wenn in der Medizin etwas nicht gut läuft, muss man die Medizin verbessern – und nicht in Pseudomedizin abgleiten. Ein Arzt, der etwa vorzeitig Antibiotika gibt, macht einen Fehler. Das ist ein individueller Fehler. In der Pseudomedizin jedoch, als solche bezeichne ich d

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