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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Aufbruch aus katholischer Enge

von Benedikt Kern vom 14.02.2020

Roman. Viele katholische Leserinnen werden sich in dieser Hauptfigur wiedererkennen: Anne Meurers Roman »Zerrissener Himmel« erzählt die Lebensgeschichte von Clara, beginnend mit ihrer Geburt im Jahr 1938 bis ins Jahr 2013, und ist zugleich ein lebendiger Gang durch die jüngere (Kirchen-)Geschichte in Deutschland, Rom und Brasilien. Clara wächst in einfachen Verhältnissen auf und erfährt eine klassisch katholische Erziehung der 1940er- und 1950er-Jahre. Um die Enge der Familie hinter sich zu lassen, macht sie Abitur und studiert Jura. In den Jahren kurz vor 1968 liegt Aufbruch in der Luft, auch Clara lässt sich davon anstecken. Das Zweite Vatikanische Konzil weckt in ihr Hoffnung auf einen Aufbruch der katholischen Kirche. Sie tritt überstürzt in einen Orden ein und verlässt ihn nach einiger Zeit wieder. Sie arbeitet im Arbeitsministerium und muss sich als Frau in der Männerwelt der Bonner Republik durchbeißen. Ende der 1970er-Jahre wird sie Entwicklungshelferin in Brasilien. Die Lebenssituation der verarmten Menschen bringt ihr Weltbild ins Wanken. Dom Helder Camara, der Bischof »in der abgewetzten Soutane«, beeindruckt Clara nachhaltig. Sie arbeitet in seinem Umfeld und in seinem Geiste. Als Clara nach fünf Jahren ins Bundesarbeitsministerium der Kohl-Ära zurückkehrt, fühlt sie sich dort wie eine Fremde: Kaum jemand scheint sich für ihre Erfahrungen aus Lateinamerika zu interessieren. Sie schwankt zwischen Wut und Selbstmitleid.

In ihren späten Lebensjahren hält sie Rückschau und fragt nach Sinn und nach Gott: »Ich flattere nicht mehr am Boden mit gestutzten Flügeln. Vielleicht bin ich ein Vogel, der das Fliegen lernt. Immer dem Unstillbaren hinterher.« Ihr Leben lang ringt Clara mit der Welt und ihren Verhältnissen, mit der katholischen Kirche und mit ihrem persönlichen Glauben.

Der Roman zeigt auf, wie das Leben im Horizont des erhofften Reiches Gottes niemals Stillstand bedeuten kann, und zugleich, dass die eigenen Möglichkeiten stets begrenzt sind. Claras Umgang mit ihrer Rolle als Frau in der Gesellschaft und Kirche bleibt ein Lebensthema, das facettenreich beschrieben wird. Ihre Erfahrungen in Brasilien Anfang der 1980er-Jahre bilden einen Höhepunkt des Romans. Eine kritischere Perspektive auf die sehr idealisiert dargestellte Persönlichkeit Dom Helder Camaras hätte an dieser Stelle sicherlich ein noch realistischeres Bild sowohl des Bischofs als

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