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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2017
Steife Brise
Wie der Streit um die Windkraft gelöst werden kann
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ständig hundemüde«

von Josefine Janert vom 10.02.2017
Wolfgang Lauterbach (59) leidet am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Um die Diagnose musste er lange kämpfen

Die Krankheit, die ich habe, ist in Deutschland relativ unbekannt. Kaum ein Medizinstudent hört an der Uni etwas vom Chronischen Erschöpfungssyndrom, dem Chronic Fatigue Syndrom. Kaum ein Forscher beschäftigt sich damit, sodass ich Studien aus den USA zurate ziehen muss, um die Krankheit zu erklären. Wenn ich die dort ermittelte Häufigkeit auf die deutsche Bevölkerung hochrechne, gelange ich zu dem Schluss, dass hierzulande mindestens eine Viertelmillion Menschen erkrankt sein müssen.

Wer am Chronischen Erschöpfungssyndrom leidet, dessen Immunsystem ist nachhaltig aus dem Gleichgewicht. Das kann verschiedene Ursachen haben. Bei mir ist es das Epstein-Barr-Virus. Ärzte bringen es mit einer Vielzahl von Krankheiten in Verbindung. Ich infizierte mich vermutlich 1976 damit. Schon damals erlebte ich einen Schwächezyklus, kannte aber die Ursache nicht. Nach ein paar Wochen kehrte ich zu meinem alten Leben zurück. 1978 zog ich aus einer Stadt im heutigen Sachsen-Anhalt nach Dresden. Nach meiner Armeezeit war ich dort im Laufe der Jahre als Mitarbeiter der Stadtverwaltung, als Straßenbahnfahrer und Wachmann tätig. Alles anstrengende Jobs mit viel Verantwortung. Bis zum Jahr 2000 ging das gut.

Dann, von einem Tag auf den nächsten, zog mein Körper die Reißleine. Ich kippte um, meine Kollegen riefen den Notarzt. Danach war nichts mehr wie vorher. Bei der kleinsten Bewegung schmerzten meine Gelenke. Ich spürte jeden Knochen im Körper. Ich fühlte mich wie ein Achtzigjähriger, der Rheuma in seiner schwersten Form hat. Ständig plagten mich höllische Kopfschmerzen, und ich war hundemüde. Mein Hausarzt untersuchte mich und schickte mich zu mehreren Fachärzten, unter anderem zu einem Neurologen. Keiner von ihnen diagnostizierte eine krankhafte Veränderung meines Körpers. Es hieß, dass ich eine Depression habe. »Schlaf dich doch mal ordentlich aus, dann wird alles wieder gut!«, rieten mir Kollegen und Freunde. Doch die Symptome verschwanden nicht, auch wenn ich mich zwanzig Stunden lang aufs Ohr legte. Zwischenzeitlich wurde ich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Zum Glück stand mir meine Frau zur Seite. Auch meine Tochter hat Verständnis für mich. Viele andere am Erschöpfungssyndrom Erkrankte werden hingegen von ihren Partnern verlassen. Ohne meine Frau hätte ich die Reise zu der Spezialklinik Neukirchen in Bayern, die

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