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Kino
Himmelhoch jauchzend

»Little Trouble Girls« erzählt die Geschichte einer 16-Jährigen, die sich aus dem engen Korsett katholischer Enthaltsamkeit befreit. Auf einem Probenwochenende erlebt sie ihr sexuelles Erwachen. Ein Chorfilm.
von Birgit Roschy vom 28.01.2026
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Ganz schön verwirrend: Bei einem Probenwochenende stößt Lucija auf bisher ungeahnte Gefühle. Dem Chorleiter aber gefallen die Emotionen der Mädchen nicht. (Foto: © SPOK Films via filmstarts.de)
Ganz schön verwirrend: Bei einem Probenwochenende stößt Lucija auf bisher ungeahnte Gefühle. Dem Chorleiter aber gefallen die Emotionen der Mädchen nicht. (Foto: © SPOK Films via filmstarts.de)

Kino. Die 16-jährige Lucija singt in einem katholischen Mädchenchor und freundet sich dort mit der forschen Ana-Marija an. Als der Chor für ein Probenwochenende in ein Nonnenkloster fährt, kommen sich die beiden näher. Ihre neue Freundin bemerkt, wie Lucija die muskulösen Handwerker im Innenhof beäugt. Im Kreis ihrer Teenieclique lässt sich die unerfahrene Lucija zu Flaschendrehen und Mutproben verleiten – und erlebt ein sexuelles Erwachen, mit dem sie nicht umzugehen weiß. Der Chorleiter feuert während der Proben die Mädchen an mit dem Befehl »öffnet euch!« und mit rhythmischen Atemübungen. Auf die hochkochenden Emotionen reagiert er mit aggressiver Abwehr.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 2/2026 vom 30.01.2026, Seite 55
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Verschwiemelte »Lolita«-Klischees werden in diesem berückenden Coming-of-Age-Film sorgsam vermieden. Stattdessen macht die Regisseurin Urška Djukić den Gefühlsaufruhr der Heldin in metaphorisch aufgeladenen Szenen spürbar. Geöffnete Blüten sind ein wiederkehrendes Symbol. Im Spannungsfeld zwischen sittenstrengem Katholizismus und unbewusstem erotischem Begehren zieht einen Lucijas Gefühlssturm von Anfang an in den Bann. Der Film verzaubert mit idyllischer Kulisse und verblüfft mit einer Nonne, die gelassen über kreative Sublimierung spricht. Ihre Intensität bekommt die Handlung besonders durch das Sounddesign. »Little Trouble Girls« ist auch ein Chorfilm, in dem himmelhoch jauchzend gesungen und, mit einer vor Herzweh zugeschnürten Kehle, zu Tode betrübt geschwiegen wird. Man darf gespannt sein, wie dieses ebenso sinnliche wie spirituelle Drama bei der kommenden Oscar-Verleihung aufgenommen wird.

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