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Ausstellung: »Läuft …! Hase und Igel im Wandel der Zeit«
Hase, Igel und der Zeitgeist

Im Museum Buxtehude geht es um eines der bekanntesten deutschen Märchen. Von einem Wettlauf, der im Lauf der Geschichte ganz unterschiedlich interpretiert wurde.
von Joachim Göres vom 28.01.2026
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(Foto: Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst)
(Foto: Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst)

Ausstellung. Der Wettlauf zwischen Hase und Igel ist ein populäres Märchen, in dem ein Hase und ein Igel wetten, wer der Schnellere ist. Dabei trickst der Igel: Am Ziel steht seine Igelfrau und begrüßt den Hasen, der die beiden nicht unterscheiden kann: »Ich bin schon da!« Der Hase hetzt zurück, wo ihn der ausgeruhte Igelmann empfängt: »Ich bin schon da!« Das wiederholt sich, bis der Hase tot umfällt. Doch was will das Märchen sagen?

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 2/2026 vom 30.01.2026, Seite 54
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Eine Ausstellung im Museum Buxtehude, dem Ort, wo sich der Wettlauf einst ereignet haben soll, zeigt »Hase und Igel im Wandel der Zeit«. Erstmals zu Papier gebracht hat die Geschichte der Verleger Wilhelm Schröder. Der hatte das mündlich überlieferte Märchen vom Pastor Nicolaus Helmcke aus Bexhövede bei Bremerhaven gehört. Schröder veröffentlichte 1840 auf Platt »Dat Wettlopen twischen den Hasen un den Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude« im Hannoverschen Volksblatt. 1853 erschien sie auf Hochdeutsch im Deutschen Märchenbuch von Ludwig Bechstein. Zu seiner Popularität verhalfen dem Märchen die Bilder. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen daher Buchillustrationen, Skizzen, Filme, Fotografien und Brettspiele. Sie prägten, wie das Märchen im Lauf der Zeit interpretiert wurde.

Lange wurde der Hase mit Frack und Monokel als überheblicher Städter dargestellt, der einfach gekleidete Igel als pfiffiger Bauer. Die Brüder Diehl verfilmten das Märchen 1935 im Auftrag der »Reichsstelle für Unterrichtsfilm«: Der Hase repräsentiert das arrogante Bürgertum, während der Igel als Vertreter des Volkes das Herz am rechten Fleck zu haben scheint. Auch in Büchern der Nachkriegszeit blickt der Hase abschätzig auf den Igel herab.

Moderne Fassungen, wie die von Janosch, verzichten auf solche Wertungen. Die Tiere tragen keine Kleidung, die sie voneinander abgrenzt. Das beliebte Spiel »Hase und Igel«, 1979 zum »Spiel des Jahres« gekürt, verzichtet ganz auf die Vermenschlichung der Kontrahenten. Dem Museum ist eine anschauliche und farbenfrohe Ausstellung gelungen, die anregt, die scheinbar eindeutige Moral der Erzählung zu hinterfragen.

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