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Romantipp: »Ist es Liebe«
Liebe mit Fragezeichen

»Ist es Liebe« von Valery Tscheplanowa ist ein berührender Roman über Vertrauen, Fremdheit und Nähe.
von Christina Bartholomé vom 13.01.2026
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Roman. Anne steht am Ende ihrer Schauspielausbildung, als sie Richard trifft. Den Richard, der die Farbe seiner Kleidung nach seiner Stimmung auswählt und der am Morgen mit frischen Croissants vor ihrer Tür steht. Den Richard, bei dem die Worte munter zwischen Deutsch und Englisch hin- und herwechseln und mit dem jedes Gespräch so aufregend anziehend ist. Als sie sich auf Richard einlässt, betritt Anne, die wohlbehütet aufgewachsen ist, eine neue Welt. Eine Welt, die aus weiten Fluren in der Ausländerbehörde besteht und aus Nummern, die Menschen zum Aufenthalt berechtigen. Den Kibera Slum in Nairobi, in dem Richard aufgewachsen ist, kann Anne sich kaum vorstellen, und Richard ist zerrissen zwischen seinem Leben in Berlin und seinem Heimweh nach Kenia.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 1/2026 vom 16.01.2026, Seite 55
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Als ihr Sohn Thando zur Welt kommt, verfliegt die Leichtigkeit zwischen den beiden. »Ist es Liebe?«, fragen Annes Eltern, als sie Anne und Richard wiederholt Geld schicken müssen. »Ist es Liebe?«, fragt Annes Schwester, als sie Richard damit konfrontiert, ob er in Wahrheit nicht einzig und allein an die Aufenthaltsgenehmigung kommen wollte. »Ist es Liebe?«, fragt sich schließlich Anne selbst, als Richard nach einer langen Clubnacht neben ihr und Thando ins Bett fällt.

In episodischen Szenen und klarer Sprache erzählt Valery Tscheplanowa vom Zweifeln und vom Vertrauen, von kulturellen Gräben und innerer Zerrissenheit. Das Fragezeichen, das im Buchtitel fehlt, zieht sich durch den Roman und fordert die Lesenden heraus. Zuweilen fühlt man sich von den eigenen rassistischen Vorurteilen ertappt. Annes Schockverliebtheit springt beim Lesen ebenso über, auch ihr Zweifel. Der Autorin ist ein intensiver Roman über die Widersprüchlichkeit und Faszination der Liebe gelungen.

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