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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

Gott und Welt im Werden

Weder allmächtig noch unveränderlich – wie die Prozesstheologie die Gottesfrage neu belebt

Die am stärksten wachsende Glaubensgemeinschaft ist die der Nichtglaubenden, zumindest in Europa. Aber auch viele Gläubige, die – mehr oder weniger christlich geprägt – die Existenz eines Gottes nicht ausschließen wollen, suchen nach einem zeitgemäßen Gottesbild, weil traditionelle Vorstellungen von einem eingreifenden oder gar vorherbestimmenden Gott nicht mit ihrer Welt- und Glaubenserfahrung in Einklang zu bringen sind. Sie fragen: Was, wenn Gott zum Beispiel nicht allmächtig ist? Auch nicht allwissend? Wenn er sich verändert, weil auch für ihn die Zukunft offen ist? Eine Denkrichtung, die sich »Prozesstheologie« nennt, wirbt für ein solches Gottesbild. Es unterscheidet sich deutlich vom traditionellen, nach dem Gott als höchstes und absolutes Wesen allmächtig und allwissend ist und daher keiner Veränderung bedarf.

Godehard Brüntrup lehrt als Professor an der Münchner Hochschule für Philosophie. Der Jesuit hat sich intensiv mit der Prozessphilosophie beschäftigt und auch mit der Prozesstheologie, die auf dieser Philosophie aufbaut. Drei Gründe sind es, die für ihn die Prozesstheologie interessant machen: Sie nimmt das Freiheitsstreben des Menschen ernst. Sie geht von der grundlegenden Fähigkeit der Natur zur Selbstorganisation aus. Und sie liefert eine schlüssige Antwort auf das Problem des Leidens und des Bösen in der Welt.

Es war der britische Mathematiker, Physiker und Philosoph Alfred N. Whitehead (1861-1947), der in seinem Hauptwerk »Prozess und Realität« eine prozessphilosophische Sicht der Welt entwickelte. Mit seinem Denkansatz überwindet er den Gegensatz zwischen Geist und Materie, der seit der Philosophie des Franzosen René Descartes (1596-1650) das Denken der