Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

Eine neue Kirche, ein neuer Konflikt

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat die frisch gegründete Orthodoxe Kirche der Ukraine anerkannt. Moskau verweigert ihm deshalb nun die Gefolgschaft

Normalerweise ist die Sankt-Georgs-Kirche in Istanbul zum Epiphanie-Gottesdienst nur halb voll. Zwar ist sie als Sitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel so etwas wie das Zentrum der orthodoxen Christenheit, doch zählt dessen Gemeinde nur noch 2000 Gläubige. Selbst am 6. Januar, an dem der Taufe Jesu im Jordan gedacht wird, hält sich der Andrang gewöhnlich in Grenzen. Doch dieses Jahr ist nichts normal. Denn mit der Entscheidung von Patriarch Bartholomäus I., die neu gegründete Orthodoxe Kirche der Ukraine anzuerkennen, hat das Fest plötzlich eine ungewohnte politische wie historische Bedeutung gewonnen.

Schon beim Einzug des Patriarchen ist die Kirche brechend voll. Während in den Seitenschiffen die Fotografen und Kameraleute um die besten Plätze kämpfen, drängen sich auf den Galerien die Gläubigen, von denen viele extra aus der Ukraine angereist sind. Vorne links steht, leicht erhöht, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der die Abspaltung der ukrainischen Kirche vom orthodoxen Patriarchat in Moskau maßgeblich vorangetrieben hat. Auch sein Vorgänger Viktor Juschtschenko und zahlreiche weitere Politiker wohnen dem historischen Ereignis bei.

Am Vortag hatte Bartholomäus mit dem neuen Kiewer Metropoliten Epiphanius im Patriarchat das Dekret über die Anerkennung der Kirche unterzeichnet. Poroschenko dankte dem weißbärtigen Patriarchen anschließend »im Namen der ukrainischen Nation« und sprach von einem »großen Tag« für sein Land. »Endlich hat der Herr uns eine Orthodoxe Kirche der Ukraine gesandt«, freute sich Poroschenko, dem die Gründung der Kirche vor den Ende März anstehenden Präsidentschaftswahlen einen Popularitätsschub beschert hat.