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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Das politische Porträt: Zwei wie Feuer und Schwefel

von Ludwig Greven vom 12.01.2018
Der neue Star der Grünen Robert Habeck und FDP-Chef Christian Lindner haben viel gemeinsam. Sie wirken wie Politiker neuen Typs: unverbraucht und unkonventionell. Doch da enden die Gemeinsamkeiten

Als Robert Habeck gleich am nächsten Tag zurückruft, höre ich im Hintergrund seine Frau, seine vier Söhne und den Seewind. Der 48-Jährige verbringt die Tage zwischen den Jahren auf der winzigen Insel Hallig Hooge vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Habeck, der neue Star der Grünen, soll die Partei als Bundes-Co-Vorsitzender zu neuen politischen Ufern führen – und irgendwann auch wieder in eine Bundesregierung. Jetzt wartet er auf die Fähre zurück aufs Festland. Am Handy überlegt er, wie das wohl in Zukunft wird, wenn in Berlin eine wichtige Sitzung auf ihn wartet und er den Parteifreunden erklären muss, dass er nicht kommen könne wegen eines Sturms. Die Verbindung ist schlecht.

Der Kieler Multiminister für Umwelt, Landwirtschaft und Energiewende ist auch für den ländlichen Raum und für Digitales zuständig: Er muss sich um die Anbindung des Landes und der Inseln ans schnelle Internet kümmern. Für ihn sind das zentrale Fragen: Wie sieht die digitale Zukunft aus, wie verhindern wir, dass die Gesellschaft in lauter einzelne Netz-Individuen zerbröselt? Solche Fragen hätten für ihn das überwölbende Thema für das Jamaika-Bündnis mit FDP und Union im Bund werden können. Bedauerlicherweise habe es nicht geklappt.

Auf die bestehende Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein lässt Habeck nichts kommen. Doch zu FDP-Chef Christian Lindner äußert er sich kritisch: »Ich gebe ihm nicht die alleinige Schuld für den Abbruch der Verhandlungen, aber er hat den Preis extrem hochgetrieben. Er wollte ein antigrünes Bündnis.«

Der künftige Grünen-Leitwolf sieht seine Aufgabe und die seiner Partei nun darin, ein neues, eigenes Bild einer modernen, nachhaltigen, solidarischen Gesellschaft zu entwickeln. »Wir müssen Mehrheiten organisieren für eine progressive liberale Politik – gegen die Autoritären, die sich in der Welt breitmachen.« Gerne wäre er diesen Weg mit der FDP gegangen. Jetzt eben allein – in klarer Abgrenzung. »Wir müssen liberal werden, ohne FDP zu werden.«

Dabei geht Habeck auf Distanz zum Wunsch vieler Grüner, die Mitbürger zum Umwelt- und Lebensglück zu zwingen. Für Habeck ist dies der falsche Weg, wie die berüchtigte Debatte über den Veggieday gezeigt habe. »Wer einen Veggieday fordert, privatisiert das Problem der Massentierhaltung, ohne es zu lösen. Fleischliebhaber wären dann statt in die Kantine woanders essen gegangen.« Stattdessen müs

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