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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2018
Gott neu denken
Über die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft
Der Inhalt:

Geschichte einfach wegwerfen?

Rekonstruktion der Stasi-Akten ist vorerst gestoppt. Warum sie weitergehen muss

Was für eine Geschichte: Zur Hinterlassenschaft des DDR-Geheimdienstes gehören vierzig bis fünfzig Millionen Blatt Papier, die die Stasi in den wenigen Monaten vor ihrer Zerschlagung in ungezählte Schnipsel zerrissen hat. Sie lagern in 16 000 Säcken, von denen inzwischen 23 wiederhergestellt werden konnten. Nun hat die Jahn-Behörde erklärt, dass sie mit der Rekonstruktion an ihre Grenzen stößt. Als »Schnipsel« haben die zerrissenen Akten Schlagzeilen gemacht. Aber es geht um weit mehr.

Es geht um Menschen, die von der Staatssicherheit erfasst und nicht selten an Leib und Leben bedroht waren. Wie in allen Diktaturen. Aber es geht auch um Menschen, die sich dagegen zur Wehr gesetzt haben. Wie auch die, die mit Zivilcourage die Akten vor der Vernichtung gerettet haben. Weltweit einmalig war das.

Später ist das Fraunhofer Institut beauftragt worden, eine Technik zu entwickeln, mit der die Millionen zerrissener Blätter rekonstruiert werden können. Derzeit stagniert das, weil vor allem die Scan-Technologie noch nicht ausgereift ist. Das Projekt sei vorerst gestoppt, sagt Behördenchef Roland Jahn. Sollte es dabei bleiben, wäre das ein großer Verlust. Zumal es sich um Unterlagen aus der Zeit von etwa 1987 bis zur Friedlichen Revolution 1989 handelt. Jene Zeit, in der die Menschen friedlich und gewaltlos eine Diktatur von der politischen Bühne vertrieben haben.

Das zeigt auch: Noch so große Sammelwut von Geheimdiensten ist zum Scheitern verurteilt. Und dann wären noch die, die sich heute brüllend und mit rassistischen Sprüchen auf diese Zeit berufen. Sie haben überhaupt kein Recht dazu. Keine Stasi-Akte wäre gerettet worden, wenn solche verbale Gewalt im S