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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
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Nicht allein und nicht ins Heim

von Barbara Tambour vom 06.09.2018
Selbstbestimmtes Wohnen im Alter ist in Deutschland nicht alltäglich. Aber es gibt Beispiele, die zeigen, wie es gelingt
Gemeinsam statt allein leben wollen viele Menschen im Alter. Modellprojekte zeigen, wie Hürden überwunden werden können (Illustration: istockphoto/Aleutie)
Gemeinsam statt allein leben wollen viele Menschen im Alter. Modellprojekte zeigen, wie Hürden überwunden werden können (Illustration: istockphoto/Aleutie)

Mittagessenszeit. Bettina Schau zieht die Wohnungstür hinter sich zu, um in den Gemeinschaftsraum hinunterzugehen. Die 14 Bewohner der Seniorengenossenschaft Gemeinsam ins Alter in Kassel essen an jedem Werktag zusammen zu Mittag. Auf dem Weg zum Aufzug klingelt die 76-Jährige bei ihrer Nachbarin. Der geht es nicht gut an diesem heißen Sommertag. Bettina Schau hakt sie unter, drückt auf den Türöffner an der Wand, die Tür zum Treppenhaus schwingt auf. Die beiden Frauen wohnen seit einem Jahr in diesem Haus im Norden Kassels. Bettina Schau und ihr Mann Peter haben die Genossenschaft mitgegründet und vorangetrieben. Ihre Motivation: »Selbstbestimmt und in Würde« wollen sie im Alter leben und auf keinen Fall im Heim, »in so einer Altersmaschine«, wie Bettina Schau sagt: »Nach außen ist das Hochglanz, die Alten drin sind satt und sauber – aber wenn es ums Menschliche geht, ist da vieles im Argen.«

Die 76-Jährige hat schon so manche Pflegeheime kennengelernt, Bekannte und Verwandte dort besucht, Sterbende begleitet. »Wir wollten das anders aufziehen, etwas schaffen, in dem wir selbstverantwortlich und in Würde alt werden können«, erläutert sie. Das maisgelbe Haus ist die Antwort darauf: Elf Frauen und drei Männer wohnen darin, unter ihnen sind zwei Ehepaare. Das Mittagessen bereitet eine Haushälterin zu, die 21 Stunden in der Woche für die Genossenschaft arbeitet. Die 14 Bewohner teilen sich den Gemeinschaftsraum, in dem sie zu Mittag essen und in dem auch Spieleabende und Konzerte stattfinden, die Waschmaschinen und Trockner, die im »Waschsalon« gleich neben dem Hauseingang stehen, ein Badewannenbad – in den Wohnungen gibt es nur Duschen –, ein Gästeappartement und den Garten.

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