Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

»Unter einem Dach, aber jeder für sich«

Wie Senioren künftig wohnen wollen. Ein Gespräch mit dem Zukunftsforscher Horst Opaschowski

Publik-Forum:Wie werden Senioren in Zukunft wohnen?

Horst Opaschowski: Die meisten Neunzigjährigen werden auch im Jahr 2030 noch in eigenen Wohnungen leben. Die Wohnwünsche der Senioren sind: Selbstständigkeit bis ins hohe Alter, also Wohnen in den eigenen vier Wänden oder in Mietwohnungen von Mehrfamilienhäusern. Mit dem demografischen Wandel hört das Einfamilienhaus auf der grünen Wiese auf, Idealtypus der Gesellschaft zu sein. Dem selbstbestimmten Wohnen mit Dienstleistungsangeboten gehört die Zukunft.

Wie sollten Kommunen und der Wohnungsmarkt reagieren?

Opaschowski: Kommunen und Wohnungsmarkt sollten sich mehr auf selbstbestimmte Wohnkonzepte konzentrieren und Baugemeinschaften, Helferbörsen, Nachbarschaftshilfen und Zeitbanken fördern. Wohnen muss neu und weitergedacht werden. Warum soll es zukünftig in der Nähe von Mietwohnungen nicht auch hinzumietbare Wohnbereiche geben, die es erwachsenen Kindern ermöglichen, betreuungsbedürftige Eltern aufzunehmen? Das garantiert familiäre Nähe – aber nicht unbedingt unter einem Dach.

Warum halten Sie das Mehrgenerationen-Wohnen für die Option der Zukunft?

Opaschowski: In der künftigen Gesellschaft des langen Lebens wird der Gedanke des »ganzen Hauses« wieder aufleben, weil die Menschen mehr aufeinander angewiesen sind und sich auch selbst helfen müssen. Enkellose, Kinderlose und Familienlose werden beinahe wie durch Adoption in die »Hausgemeinschaft« aufgenommen. Deshalb prognostiziere ich: Der Gedanke der Wahlverwandtschaft erlebt eine Renaissance. Für die nahe Zukunft zeichnet sich die Mehrgeneration