Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

Cyberwar: Stell dir vor, es ist Krieg

von Hannes Grassegger vom 11.10.2017
Die Kämpfe unserer Zeit werden oft nicht mit Geschützen und Raketen ausgetragen. Sondern mit den fähigsten IT-Spezialisten. Das Titelthema der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Krieg per Tastendruck: »Schau dich um, siehst du hier Maschinengewehre?« (Foto: iStock by Getty/LagartoFilm)
Krieg per Tastendruck: »Schau dich um, siehst du hier Maschinengewehre?« (Foto: iStock by Getty/LagartoFilm)

Schau dich um, siehst du hier Maschinengewehre?« Das Besprechungszimmer in Anton Aspers Werbeagentur ist riesig, die Decken vier, vielleicht fünf Meter hoch. Kunst hängt an den Betonwänden. Am Ende des Raumes sieht man hinter Glasscheiben eine Handvoll modisch gekleideter Menschen, die auf Apple-Computern an Präsentationen basteln. Aspers Büro befindet sich irgendwo in Estland. Der Ort muss geheim bleiben. Genauso wie Aspers echter Name. Keiner seiner Angestellten ahnt, was er neben seiner Tätigkeit als Werber macht: »Das ist eine Schlacht. Aber ich brauche keine Gewehre. Ich kämpfe hiermit.« Er tippt auf sein MacBook.

Dies ist die Geschichte eines neuen Kriegs. Wir kennen den heißen Krieg, bei dem Staaten gegeneinander kämpfen. Wir kennen den kalten Krieg, bei dem Staaten einander drohen und Stellvertreterkriege führen. Vor zehn Jahren, am 26. April 2007, lernte die Welt eine neue Art von Krieg kennen: In Estland brach der erste unsichtbare Krieg aus. Ein Krieg ohne Panzer und ohne Gewehre. Dafür mit neuen Waffen, neuen Strategien und neuen Opfern. Ein Krieg, von dem die Welt fast nichts mitbekam und bei dem bis heute offiziell nicht geklärt ist, wer angegriffen hat.

Bekannt ist: Gekaperte Computernetzwerke aus aller Welt, von Malaysia bis Amerika, bombardierten die Server estnischer Banken, Behörden und Medien mit Daten, bis diese kollabierten. Es waren aber nicht nur Hackerangriffe: Die Bürger wurden mit Fake News verunsichert und mit Onlinekommentaren gegen die eigene Regierung aufgehetzt, bis sich enthemmte Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Es war die erste groß angelegte Netzattacke gegen einen Staat. Militärhisto

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen