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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Wann lernt Herr Seehofer dazu?

Die CSU hat die AfD nicht kleingehalten, die CDU in Münster schon. Wie?

Genau 4,9 Prozent. So wenige Wählerinnen und Wähler entschieden sich im westfälischen, katholisch geprägten Münster bei der Bundestagswahl für die AfD. Der Wahlkreis ist der einzige bundesweit, in dem die Partei die Fünf-Prozent-Hürde nicht nahm.

Warum hatten Rechtspopulisten in der Universitätsstadt, die traditionell von der CDU dominiert wird, keine Chance? Erstens: Münster prosperiert, komplett abgehängte Viertel gibt es nicht. Aber auch viele Städte Bayerns sind Technologie-Hochburgen mit hoher Beschäftigungsquote. Das allein kann es also nicht sein. Zweitens: Münster ist stolz auf sein internationales Publikum, das sich aus Gelehrten, Künstlern und einem nicht enden wollenden Strom von Touristen speist. Dem kommt die AfD mit ihrem völkisch-nationalistischen Konzept in die Quere. Vor allem aber entschied ein drittes Moment: Viele Monate vor der Wahl begann in Münster eine organisierte Zivilgesellschaft, unterstützt von demokratischen Parteien, sich gegen den organisierten Rechtspopulismus aufzulehnen. Als die AfD im Februar ihren Neujahrsempfang gab, protestierten über 8000 Menschen auf dem Prinzipalmarkt gegen die Partei. Ihr Slogan: »Ihr seid nicht wir!« Damit stand zum Beispiel das grüne, aber auch das katholische Milieu auf. Darunter: der Bund der Deutschen Katholischen Jugend – und Christdemokraten.

Die CDU Münsters hatte sich früh für Angela Merkel, ihren Integrationskurs und ihre Willkommenskultur positioniert. Davon wich sie auch nicht ab, als im Süden Deutschlands ein Horst Seehofer immer heftiger dafür eintrat, die AfD rechts zu überholen. Das Ergebnis: In Bayern gewann die AfD viele Stimmen; die CSU ging mit dem schlechtesten Wahlergebnis seit Jahrzehnten n